Archiv für August 2009

26
Aug
09

Fashion-Idol: Sex and the City

Im Jahr 1998 startete auf dem amerikanischen Pay-TV-Sender HBO die damals noch recht unbedeutende Serie „Sex and the City„, die das Leben von vier Single-Frauen jenseits der 30 in New York erzählt. Die Protagonistinnen Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Samatha Jones (Kim Catrall), Charlotte York (Kristin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) wurden aber schnell zu Charakter- und Kultfiguren. Im Laufe der Zeit erlangte die Serie nicht nur Kultstatus wegen der lockeren und frischen Art der Erzählung oder dem sehr freizügigen Umgang mit dem Thema Sex, sondern auch wegen seiner extravaganten und aussergewöhnlichen Mode, für die sich die New Yorker Kostumbildnerin und Modedesignerin Patricia Field verantwortlich zeigte. Während die Serie die Beziehungen der Hauptfiguren, sowie deren Leben als unabhängige und emanzipierte Frauen im Manhattan des 21. Jahrhunderts sehr fein und klar darstellt, wird in puncto Gaderobe ein ebenso klares Credo verfolgt. Patrica Field kleidet die Darstellerinnen nicht nach aktuellen Trends oder stattet sie mit Must-Haves der Saison aus, sondern erzählt mit der Kleidung der Damen eine eigene Geschichte und macht die Kleidung der Frauen zumTeil ihrer Persönlichkeit. Bereits in der ersten Folge von 1998 erklärte die serientypische Off-Stimme von Carrie, dass es ein Zeichen von Unabhängkeit der New Yorker Singlefrau ist, wenn sie ohne mit der Wimper zu zucken 400 Dollar für ein Paar Sandalen ausgäbe. Auch im folgenden zeigt sich, dass die unabhängige Frau ihr eigenes Geld für kostspielige Designerroben verdient. Doch es dreht sich nicht ausschließlich darum teure Designerlabels am Leib zu tragen, denn Patricia Field schafft einen bis dato einzigartigen Mix aus Sachen aus dem Billigladen, alten Klassikern und Stücken direkt vom Laufsteg. Sie erschafft damit aussergewöhnliche und individuelle Looks.

Patricia Field gilt als eine Fashion-Ikone in New York und legt keinen Wert darauf, sich von Designern leiten zu lassen. Neben „Sex and the City“ war sie 2007 auch für die Kostüme des Kinofilms „Der Teufel trägt Prada“ verantwortlich. Dafür wurde sie prompt für den Oscar nominiert. Für sie trifft das Auge die Wahl und sie setzt auf Natürlichkeit. Ihr Rezept klingt einfach:  Sie nimmt hochwertige Kleider und kombiniert sie mit Dingen für wenige Dollar, um das Ganze aufzulockern. Dabei nutzt sie sowohl Aspekte der Haute Couture und High Fashion, sowie der Massenmode, setzt aber auch auf Spontanität, um die Natürlichkeit zu erhalten und keine Verkleidung zu schaffen. Dennoch spielten hinter den Kulissen der Serie und später auch der Kinoadaption große Designernamen eine entscheidende Rolle: Christian Louboutin entwarf 2001 eigens für Sarah Jessica Parkers Fuss einen aussergewöhnlichen rosa Schuh mit der typischen roten Sohle, Oscar de la Renta gab 2003 ein Kleid aus seiner Kollektion bereits vor der Präsentation für die Produktion der Serie frei, Vivienne Westwood verbot 2008 den Verkauf eines Brautkleides, das Carrie später im Film tragen sollte und der wohl größte Name in Bezug auf die Mode in „Sex and the City“, Manolo Blahnik, entwarf speziell für den Kinofilm Carries blauen Brautschuh, der beim New Yorker Nobelkaufhaus Bergdorf Goodman anschließend zu einem Verkaufsschlager wurde. Die Desginer Dolce&Gabbana hatten 2001 sogar einen Gastauftritt in der Serie.

Die Looks, die wir später auf dem Bildschirm sehen, charakterisiert jede der vier Damen auf ihre eigene Art und Weise, macht in den sechs Staffeln der Serie und dem Kinofilm aber auch eine sichtbare Entwicklung durch. Patricia Field sieht in Carrie Bradshaw das typische New Yorker Mädchen, das im Laufe der Jahre erwachsener und selbstsicherer wird. Das spiegelt sich in ihrer Mode deutlich wieder:  von der eher schlichten Carrie im Pelzmantel über die jugendliche, verspielte Carrie mit vielen Blumen als Accessoire bis hin zur selbstsicheren, attraktiven Frau in Designerroben und einem atemberaubenden Hochzeitskleid (von Vivienne Westwood). Charakteristisch für sie ist eine besondere Vorliebe für Schuhe, vor allem von Manolo Blahnik. Samantha Jones kleidet Field sehr selbstbewusst, teilweise aber auch provokativ. Sie trägt sehr figurbetonte Stücke, die häufig ihre Brüste zeigen, kleidet sich meist in leuchtenden Farben, schwört aber gleichzeitig auch auf große Designernamen, wie Chanel, Hermès und Fendi. Diese zeigt Samantha als Statussymbol ganz offen. Im Gegensatz dazu ist Charlotte York eher schlicht und mondän. Wobei auch sie ihre Vorzüge zu präsentieren weiß. Patricia Field orieniterte sich stark an der Eleganz von Jackie O, da Kristin Davis‘ Ausstrahlung und ihr sehr offenes Lächeln sie sehr an die ehemalige First Lady erinnerten, wie sie in einem Interview angab. Die wohl vielseitigste Gaderobe hat Miranda Hobbes. Auf der einen Seite steht die strenge Anwältin, die schlichte Kostüme trägt und Accessoires meidet; auf der anderen Seite steht die elegante, schicke Lady, die ihren Freundinnen zu zeigen versucht, dass sie keine langweilige Anwältin ist und sich mit schicken Kleidern anpasst. Erst im Kinofilm von 2008 hat sie ihren eigenen Stil entwickelt, der die Anwältin und elegante Frau vereinen, aber auch mit Accessoires nicht geizt.

Die Frage, weshalb neben dem offenen Umgang mit Sex und den Beziehungsproblemen der Protagonistinnen gerade die Mode in den Vordergrund rückt, ist definitiv berechtigt. Es ist sicher nicht realistisch, dass vier alleinstehende Frauen mit Eigentumswohnungen in New York sich eine derartige Masse an Designerkleidung leisten können, dennoch schafft es Patricia Field es aussehen zu lassen, als sei der Look der Ladys vollkommen natürlich und alltäglich. In Alltagsszenen gibt es kein künstliches, übertriebenes Make-Up oder aufwändige Frisuren. Es steht ausschließlich das Outfit im Mittelpunkt. Besonders die Unterschiede der Hauptcharaktere führt zu einem hohen Grad an Identifikation durch den Zuschauer. Da die Kleidung in TV-Serien selten eine derart große Rolle spielt und gleichzeitig perfekt an den Charakter und die Entwicklung des Charakters angepasst ist, ist der hohe Stellenwert der Kostüme völlig gerechtfertigt. Patricia Field hat in den zehn Jahren zwischen Folge 1 und dem Kinofilm einzigartige und trendssetzende Looks geschaffen, die ein großes Vorbild für viele Stilikonen sind und ebenso großen Einfluss auf die Mode der vergangenen Jahre hatten. Sie hält sich nicht an konventionelle Regeln der Mode und kennt kein Halt Designerstücke umzunähen. Wohl diese Einstellung schuf einen einzigartigen und neuen Look, der die Mode veränderte.

Sie hatte großen Einfluss auf die Mode im Allgemeinen. Frauen wollten diese hohen Absätze und leuchtenden Farben tragen. (Benjamin Evident, Style Consultant of Manolo Blahnik)

Sex and the City war fast ein Lehrfilm darüber, wie man sich kleidet. Plötzlich traute man sich all diese Muster und Farben zu kombinieren (Tamara Mellon, Gründerin von Jimmy Choo)

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25
Aug
09

Retten Filmlegenden ein französisches Nobellabel?

Seit über einem halben Jahr redet alle Welt über die Wirtschaftskrise und über 2009 als Rezessions- und Inflationsjahr. Banken und Autokonzerne kämpfen gegen die Pleite, der Staat greift mit umfangreichen Rettungsplänen und Konjunkturpaketen ein. Was Nachrichten und Zeitungen jedoch verschweigen bzw. sehr vernachlässigen ist die Tatsache, dass die Wirtschaftskrise weit mehr Branchen als die Immobilien- oder Kraftfahrzeugbranche betrifft. Denn auch viele Modehäuser vermelden dramatische Umsatzeinbußen, wie Burberry oder Gucci, teilweise sogar die eigene Insolvenz, wie das Münchener Unternehmen Escada. Der aktuelle stern (Ausgabe 35/09) jedoch berichtet von einem positiven Beispiel, wie vor allen Ding das französische Nobelhaus Hermès diesem eher unpopulären Trend entgegen steuert. Doch woran liegt es, dass gerade das schlichte Hermès gestärkt aus der Krise hervorgeht? Die Antwort findet sich bereits in der Frage selbst. Während Gucci eher moderne und aktuell trendige Luxusmode produziert, die in einem Jahr wieder überholt ist, setzt Hermès auf das traditionelle Schlichte seiner Produkte. Während eine Gucci-Tasche durch auffällig und große Logos oder das typische Gucci-Muster als die solche zu erkennen ist, erkennt eine Hermès-Tasche bloß der Kenner. Die Handtaschen des seit sechs Generationen in Familienhänden betriebenen Unternehmens setzt seit nunmehr 80 Jahren auf die gleiche Tasche und hat sich nur anhand von Farbe und Material dem Trend angepasst.

Grace Kelly (hier mit Ehemann Fürst Rainier von Monaco) trägt Kelly-Bag am Arm

Grace Kelly (hier mit Ehemann Fürst Rainier von Monaco) mit Kelly-Bag

Erste Aufmerksamkeit erregete die sogenannte Kelly-Bag 1956. Es scheint immer noch ein Mode-Mythos, dass Fürstin Gracia Patrizia von Monaco (immernoch besser bekannt als Grace Kelly) mit der großen Tasche ihren Babybauch zu verstecken versuchte. Nie wurde sie offiziell Werbeträger für das französische Modehaus, die Tasche wurde ihr dennoch persönlich gewidmet. Noch weit bekannter und ein zurzeit noch viel größerer Trend ist die nach Jane Birkin benannte Birkin-Bag. Konkrete PR gibt es vom Modehaus selbst nicht, doch das Image der Taschen wurde schon sehr treffend formuliert:

It’s not a bag. It’s a fucking Birkin. (Sex and the City)

Immer wieder werden klassische Stücke zu Must-Haves und Kultobjekten der Mode gekürt. So hat es vor einigen Jahren der Alma-Bag von Louis Vuitton erlebt. Doch während dieser in jeder Louis Vuitton-Filiale für etwa 600 Euro für so ziemlich jedermann zu erstehen ist und unverzüglich mitgenommen werden kann, kostet eine Birkin-Bag zwischen 4 000 und 18 000 Euro. Besonders ist allerdings, dass der Kunde hier den hohen Preis nicht für eine Tasche bezahlt, sondern für die Teilnahme an einem monatelangen, wenn nicht sogar jahrelangem, Warteverfahren, bis er die Tasche sein Eigen nennen darf. Während in Zeiten der Globalisierung selbst Luxushersteller in Asien, besonders in China am Fließband produzieren, wird eine Tasche von Hermès in Handarbeit in der hauseigenen Fabrik in Frankreich hergestellt. Etwa 20 Stunden dauert die Herstellung einer einzigen Tasche. Dennoch oder vermutlich gerade deswegen sind die Taschen Kult und ein absolute Trendsetter (… auch wenn ich dieses moderne Wort hasse: Man kann es einfach nicht anders nennen). Es ist egal, ob eine der bestgekleidetsten Frauen der Welt oder It-Girls, die häufig durch eher fragwürdige modische Entscheidungen auffallen, die Birkin-Bag findet sich an den Unterarmen von Sarah Jessica Parker über Eva Longoria bis hin zu Nicky Hilton oder Lindsay Lohan (… die ich im gestern ausgestrahlen Film „Bobby“ übrigens ganz hervorragend fand). Doch natürlich sticht auch hier besonders Victoria „Posh“ Beckham heraus. Schon durch simple und oberflächliche Suche mithilfe von Google, sah ich, dass sie zahlreiche Hermès-Taschen in verschiedensten Variationen besitzen muss:  Ob rot, weiß, rosa, blau oder schwarz kann Posh zahlreiche Taschen sowohl in Kroko- oder Aligatorleder  und verschiedenen Größen vorzeigen. Während Rory Gilmore (Gilmore Girls) ihre Computerkabel darin verstauen wollte, Lily van der Woodsen (Gossip Girl) mit ihrer die noble New Yorker Madison Avenue entlang spazierte, sich Samantha Jones (Sex and the City) für ihre mit Lucy Liu anlegte oder Karen Walkers Hund (Will & Grace) darin sein Geschäft erledigte, wurde die Tasche zu einem populären Kultobjekt. Dennoch scheint sich der franzöische Luxuskonzern wohl darauf geeinigt zu haben auf aufdringliche oder provokante Werbung – womit in den letzten Jahren vor allen Ding die Italiener Dolce&Gabbana auffielen – sowie auf große Labels an den Produkten – hier sind Chanel und Gucci besonders präsent – zu verzichten. Das Geschäft scheint ja offenbar zu brummen. In konkreten Zahlen, so der stern, steigerte sich der Umsatz von Hermès um 1,8 Milliarden Euro allein im vergangenen Jahr. Also:  Dankt der fucking Birkin und nebenher den ebenso berühmten, aber meist hässlichen Tüchern für eine positive Meldung in Zeiten von Krise und täglicher Erinnerung an die jene.

Vicotria Beckham mit hellblauer Birkin

Victoria Beckham mit hellblauer Birkin

Vicotria Beckham mit rosa Birkin

Victoria Beckham mit rosa Birkin

Victoria Beckham mit brauner Birkin

Victoria Beckham mit brauner Birkin

18
Aug
09

Worauf lässt sich H&M da nur ein? Erwartet uns der brennende Zebra-Horror?

We adore Jimmy Choo’s shoes and bags. They are glamorous and sexy, and they add instant style to the simplest of outfits. I like the way we have worked with clothes to accessorize the shoes and bags rather than the other way around. This collaboration is particularly exciting because it’s our first shoe designer collection. It’s a joy to be able to offer top end designer shoes and bags of excellent quality to our customers.

Mit diesen Worten huldigte H&M-Kreativchefin Margareta van den Bosch vor etwa zwei Monaten die Arbeit Jimmy Choo’s und kündigte gleichzeitig eine Schuh- und Taschenkollektion des Londoner Edellabels für die schwedische Modekette an. Nach Karl Lagerfeld, Stella McCartney, Viktor & Rolf, Madonna, Roberto Cavalli, Comme des Garçons und vor kurzem noch Matthew Williamson, soll es im kommenden November nun Jimmy Choo werden. Auch, wenn die ersten Entwürfe selbstverständlich noch geheim sind und dies vermutlich auch noch einige Monate bleiben werden, lässt die aktuelle Kollektion des malaysischen Designers wahrlich nichts Gutes vermuten.

Die Kollektionen des Jahres 2009 vereinen so ziemlich jeden Trend der vergangenen Jahre, mag er mittlerweile noch so überholt sein. Viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass Jimmy Choo versucht noch einen drauf zu setzen:  flauschiges Zebramuster an blauem Crocoleder mit goldenen Nieten, pinker Leopardenprint in Lackleder, schwarze Stiefeletten mit Flammenprint, sowie Sandaletten mit dicken Schnürsenkeln. Kreativität hin oder her – Was soll das bitte, Mr. Choo?

Die Pressemeldung der H&M-Kreativcheffin merkt weiterhin an, dass Jimmy Choo’s in den vergangenen Jahren zu einem Must-Have auf den roten Teppichen wurden und dass auch Oscar-Gewinnerinnen, wie Cate Blanchett, Halle Berry oder Charlize Theron in den Designerkreationen gesichtet wurden. Doch dass eine der bestangezogensten Frauen der Welt sich in aktuellen Geschmacksverirrungen freiwillig sehen lassen würde, halte ich doch wohl für sehr fragwürdig.

Doch die Tatsache, die für das englische Label noch wesentlich peinlicher sein sollte, ist wohl schlicht und ergreifend die Tatsache, dass die untengezeigten Modelle (obere Reihe) die Vorzeigemodelle der aktuellen Herbst-Winter-Kollektion sind und schlichtere, gar nicht mal so hässliche Modelle eher ein Schattendasein fristen. Jimmy Choo ist durchaus ein großer Name im Bereich Designerschuhe, doch der Trend der vergangenen Jahre ging mehr und mehr zu extravaganten und aussergewöhnlichen Designs, besonders am Fuss. Schuhfetischistinnen, wie z. B. Carrie Bradshaw in Sex and the City, verhalfen besonders dem spanischen Designer Manolo Blahnik und später auch dem französischen Designer Christian Louboutin zu großer Bekanntheit und Beliebtheit. Diese stehen für gekonnte Extravaganz mit neuen Materialien und Stoffen, schaffen es gleichzeitig aber auch zeitlos zu kreiren. Eben dieser Trend veränderte die Designs Jimmy Choo’s leider grundlegend. Während die gut betuchte Dame ihre 500 bis 800 Euro vor einigen Jahren noch für einen schlichten, glamourösen und graziösen Schuh, meist für schlichte Sandaletten mit feingearbeiteten Details, ausgegeben hatte, ist die Auswahl an diesen heute deutlich zurückgegangen. Es gibt sicher noch einige schöne Modelle und das zeigen auch die unten gezeigten Beispiele der aktuellen Herbst-Winter-Kollektion, sowie der bereits einige Monate alten Vor-Herbst-Kollektion (untere Reihe). Doch derartige Geschmacksverirrungen mit pinkem Leopardenprint oder flauschigem Zebraprint, die man als Glanzstücke einer Kollektion verkauft, lassen eher auf ein Design auf dem Niveau von Deichmann schließen – abgesehen davon, dass dem Fuss kein plastikähnliches Kunstleder zugemutet wird.

Da die Jimmy Choo for H&M-Kollektion im November erscheinen wird, ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass die klassische Jimmy Choo-Sandalette ihren Siegeszug antreten wird. Doch ein Hoffnungsschimmer bleibt, denn H&M hat für die eigene Herbst-Winter-Kollektion eher Eleganz und schlichte Farben und Schnitte walten lassen. Somit hoffe ich nur, dass dies einen positiven Einfluss haben wird und sich die Jimmy Choo for H&M-Kollektion nicht zu einem derartigen Ladenhüter entwickelt, wie es das extravagante Viktor & Rolf-Brautkleid oder die quietschbunte Katastrophe von Matthew Williamson getan haben, denn diese sehe ich noch heute noch in der Sale-Ecke meiner H&M-Filiale des Vertrauens.

To be continued …

14
Aug
09

Der Kampf um’s Leder … und einmal mehr Angelina vs. Jennifer

In den vergangenen Jahren fristeten sie ein trostloses und eher eintöniges Dasein:  Lederjacken. Während eine Vielzahl von Labels die haltbar gemachte Tierhaut für eher gewöhnliche Bikerjacken oder aus der Mode geratene Lederblazer verwerteten, revolutionierte das französische Luxushaus Balmain den Umgang mit Leder 2008 vollends. Breite, wie hohe Schulterpolster und stark tailliert kreiert Balmain-Chefdesigner Christophe Decarnin auf höchstem Niveau.

Victoria Beckham in Balmain

Victoria Beckham in Balmain

Erste Aufmerksamkeit bekamen die Luxusjacken durch Victoria Bechkams pressereichen Auftriff am Flughafen in London. Während Posh auf gewohnt hohen Hacken, mit weißer Birkin-Bag in der Hand, Ray Ban-Pilotenbrille auf der Nase und schwarzer Offiziersmütze (ebenfalls Balmain) auf dem Kopf durch den Heathrow-Airport trabt, stechen ihre ungewohnt breiten Schultern und gewohnt schmale Taille, geformt durch die Balmain-Lederjacke, hervor. Interessanterweise hat sich ein übliches Phänomen der High Fashion bisher aber nur teilweise eingestellt:  Während das Modell, das Victoria Backham trägt oder ähnliche Modelle bei etwa 8 000 Euro liegen und demnach sicher nicht für Jedermann zu erstehen ist, ist es normalerweise üblich, dass zunächst andere große Namen der Modewelt ihre persönliche Vision der Innovation vorzeigen und anschließend kaufhausübliche Labels High Fashion versuchen für Jedermann zugänglich zu machen, wurde die Balmain-Lederjacke von einem derartigen Klau bisher verschont. Dennoch ist es auffällig, dass sich Leder – auch jenseits von Jacken – durchsetzt. Ob Miniröcke, wie von Balmain, Pencil Skirts von Alexander McQueen, Mäntel mit Pelzkragen von Burberry oder Kleider, wie von Calvin Klein, Chanel oder Miu Miu, Leder könnte der Trend des anstehenden Winters werden. Auch die aktuelle Instyle (Ausgabe 09/09) widmet Leder verstärkt mehr Aufmerksamkeit, indem sie dem „Girls just wanna have fun“-Style, also Blümchenminikleid mit Lederjacke, ein Comeback  bereits im Sommer und Herbst prophezeit – vor allen Ding wohl deswegen, weil „Gossip Girl“ Taylor Mommsen darin gesichtet wurde. Dieser flippig-sexy Style steht dem schlicht-sexy Lederlook der High Fashion gegenüber, aber nicht unbedingt in etwas nach.

Minirock von Balmain

Minirock von Balmain (Quelle: net-a-porter.com)

Minikleid von Miu Miu

Minikleid von Miu Miu (Quelle: net-a-porter.com)

Ein Thema, das die Klatschseiten zur Zeit einmal mehr beschäftigt, ist wohl Brangelina gegen Jennifer Aniston und selbst hier dreht es sich um Leder:  Während Ex-Mrs. Pitt von der aktuellen Septemberausgabe der amerikanischen ELLE starrt und mit einem eher ungewöhnlichen Lederdress versucht ihr „Good Girl“-Image abzulegen, zieht Mrs. Jolie-Fast Pitt einige Tage nach der Veröffentlichung des Magazins nach. Sie erscheint auf der Hollywood-Premiere ihres Fast-Gatten neuen Films „Inglorious Basterds“ in einem hautengen Lederkleid. Selbstverständlich sieht die internationale Yellow Press darin nichts anderes als einen gekonnt inzinierten Seitenhieb Angelinas hin zu Pitts Ex. Während man international einmal mehr über die ehemalige Tomb Raider aufgrund ihrer Eifersucht lacht, wird Ms. Aniston (… von der mir im übrigen nicht mal eine berühmte Filmrolle einfällt. Sollen wir sie auch sechs Jahre nach der Einstellung von „Friends“ immernoch mit Rachel identifizieren? Wie auch immer …) zur neuen Stilikone in puncto Leder gekrönt. Doch inwieweit ist eine derartige Ehre gerechtfertigt? Sorry Jen, aber nicht einmal ansatzweise! War es doch schließlich Angelina Jolie die Ende der 90er mit ihrer Vorliebe für schwarz und durch ihren Gothic-Style auf den roten Teppichen auffiel, war es doch Jolie, die bereits 2005 in einem bodenlangen Abendkleid aus Leder und Seide von Versace bei der Premiere von „Mr. & Mrs. Smith“ – ironischerweise dem Film, bei dem Brangelina erst zu Brangelina wurden – auffiel und es war ebenfalls Jolie, die 2005 als Mrs. Smith in einem Lack-Minidress gar keine schlechte Figur machte. Doch ein Gutes hat die ähnliche Kleiderwahl von Jolie und Aniston wohl:  Jennifer Aniston entgeht ein weiteres Mal der Belanglosigkeit und der Gefahr vergessen zu werden. Mein Rat an Jennifer Anistion wäre wohl eher mal wieder einen guten Film zu drehen – vielleicht einem Kino-Spin Off von „Friends“ – und bei ihren doch gar nicht mal schlechten, dezenten Kleidern zu bleiben. Ihre Vorliebe für Chanel ist doch sehr zu begrüßen. Fakt ist schließlich, dass nicht jeder Trend, mag er noch so genial sein, jedem steht. Es ist in der Tat so, dass auch Angelina nicht das geschickteste Händchen ihrer der Kleiderwahl letzte Woche hatte. Was ist ausserdem mit ihren Haaren passiert? Doch wenn ich ihr Versace-Dress von vor vier Jahren betrachte und selbst Einzelteile der Herbstkollektion von Mango sehe, heiße ich Leder als neuen Trend mit weitgeöffneteten Armen willkommen. Willkommen!!!

Angelina Jolie auf der Premiere von "Inglorouis Bastards" in Hollywood, Jennifer Aniston auf dem Cover der amerikanischen ELLE (09/09)

Angelina Jolie auf der Premiere von "Inglorouis Bastards" in Hollywood, Jennifer Aniston auf dem Cover der amerikanischen ELLE (09/09)

Angelina Jolie in einem Lederkleid von Versace bei der Premiere von "Mr. & Mrs. Smith" 2005

Angelina Jolie in einem Lederkleid von Versace bei der Premiere von "Mr. & Mrs. Smith" 2005