Archiv für Oktober 2009

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Posh goes High Fashion … und Ja, sie hat’s drauf!

Sie ist eine der best gekleidetsten Frauen der Welt, sie gibt im Jahr Millionen für ihren makellosen Look aus und ein Outfit würde sie nie zwei Mal tragen. Bei einer derartigen Hingabe zur Mode liegt es wohl nahe, dass auch sie sich in der Reihe von prominenten Designern berechtigt sieht. Doch ist es nun ein Trend oder eine Plage, dass mehr und mehr Stars oder solche, die es gerne wären, eigene Mode entwerfen oder es zu mindestens versuchen? Natürlich lässt der prominente Name auch in der Welt der Mode fast automatisch die Kasse klingen, doch ein solcher Erfolg ist oftmals eher von kurzer Dauer. So designte „Sex and the City“ – Ikone Sarah Jessica Parker 2004 für GAP auf Grabbeltisch-Niveau,  Topmodel Kate Moss löste 2007 auf der Londoner Oxford Street tagelanges Warten für überteuerte Kleider in minderwertiger Qualität aus, Madonnas durchaus gelungene H&M-Kollektion wurde 2005 größtenteils zum Ladenhüter und die ehemalige „No Doubt“ – Sängerin Gwen Stefani gründete 2003 mit L.A.M.B. ihr eigenes Modelabel, mit dem sie 2007 über 90 Mio. Dollar verdiente. Nun folgte Victoria Beckham mit ihrer ersten Runway-Show und die Kritiker sind ihr durchaus wohlgesonnen. Doch was genau ist es, dass Posh Spice von anderen prominenten Designern unterscheidet?

Bereits seit einigen Jahren gilt Victoria Beckham als Vorreiterin neuer Trends, besonders ihre ständig wechselnden Frisuren sorgen weltweit für Aufsehen. Doch als Modedesignerin war die heute 35-jährige bisher kaum beachtenswert. Ihre Jeanslinie VB Rocks für Rock & Republic waren 2004, trotz der 300 Dollar pro Hose, ein kommerzieller Erfolg, doch revolutionär oder innovativ konnte man ihre Kreationen nicht nennen. Letztendlich bestand die Kollektion aus gewöhnlichen Jeans mit einem überdimensionalen Logo auf dem Po. Anders jedoch ihre High Fashion-Designs, die im vergangenen Jahr auch von vielen Prominenten, wie Heidi Klum oder Elle Macpherson, getragen wurden. Der Verkauf der Kleider, die zwischen 1 500 und 3 000 Euro kosten, stieg mehr und mehr an. Victoria Beckham verfolgt mit ihrer Kollektion eine klare Linie:  schlichte und deutliche Schnitte, figurbetont (besonders in der Taille) und vor allem klassisch elegant. Mrs. Beckham scheint für schlichte und klassische Eleganz zu appellieren, während andere Designer, wie Oscar de la Renta oder Zac Posen, mehr und mehr pompöse und aufwändig drapierte Kleider designen und dabei auch mehr und mehr an innovativen und revolutionären Ideen zu verlieren scheinen. Victoria hingegen zeigt ihre eigene Vision von Eleganz. Sie zeigt sehr deutlich, dass Eleganz und Sexappeal nicht zwangläufig mit nackter Haut und wenig Stoff einher gehen müssen – sie hat aus modischen Fehlgriffen der Vergangenheit offenbar gelernt. Denn eben hier liegen die Stärken ihrer Kollektion. Victoria Beckham verzichtet darauf ihre Designs zu überladen. Sie setzt gezielt Details ohne es dabei zu übertreiben. Die Höhepunkte der Kollektion sind zweifellos die Abendkleider, die fast alle durch lange Ärmel und geschickte Details, wie Schulterpolster, Taillengürtel oder aufwändigen Paillettenbesatz auffallen. In puncto Farben beschränkt sich die ehemalige Sängerin glücklicherweise auf eine geringe Auswahl. Der Großteil der Kollektion ist klassisch schwarz. Einige Entgleisungen hin zu rot oder lila sind zwar eher misslungen, aber dennoch bedingt vorzeigbar.

Alles in allem ergeben Victoria Beckhams Designs eine wunderbar klassische und erfreulich schlichte Kollektion, die Eleganz und insbesondere Sexappeal auf eine positiv altmodische Art zeigt. Der Simple Chic wird hier in Verbindung mit aufwändigen und ausgefallenen Schnitten auf eine sehr gelungene Weise umgesetzt. Natürlich sind Vergleiche zu Jil Sander, Chanel, Karl Lagerfeld und insbesondere zu Roland Mouret nicht von der Hand zu weisen, doch mit ihrer eigenen Vision von Eleganz grenzt sich Posh durchaus ab. Eben hier liegt ihr Erfolg gegenüber anderen prominenten Designern. Sie hält sich fern von Modeerscheinungen und entwirft Kleider, die in einem halben Jahr nicht völlig überholt sein werden. Sie verbindet aktuelle Trends mit Bewährtem, übertreibt es aber glücklicherweise nicht. Es bleibt abzuwarten, ob Victorias Erfolg bei der Fashion Week in New York und London ein Glückstreffer oder der Startschuss für eine große Karriere als Designerin war. Zu Gönnen wäre es ihr …

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Fashion-Idol: Tilda Swinton

Sie spielte 2000 neben Leonardo DiCaprio die Hauptrolle in „The Beach“ , neben Tom Cruise und Cameron Diaz 2001 eine Nebenrolle in „Vanilla Sky“ , entjungferte 2008 Brad Pitt in „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ , stahl 2004 Keanu Reeves in „Constantine“ als androgyner Erzengel Gabriel die Show, die weiße Hexe Jadis in „Die Chroniken von Narnia“ machte  sie 2006 weltbekannt und die Rolle einer skrupellosen Anwältin neben George Clooney in „Michael Clayton“ brachte ihr 2008 einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Doch trotz dieser großen Namen, die man mit Tilda Swinton in einem Atemzug in Verbindung bringen kann, ist sie alles andere als der klassische Hollywood-Star:  von großen Blockbustern hält sie sich fern, ihre Rollen wählt sie mit Bedacht und nach künstlerischem Wert. Auch auf dem roten Teppich zeigt sich schnell, dass sie sicher nicht der klassische weibliche Hollywood-Star ist. Sie löst kein Blitzlichtgewitter aus, sondern präsentiert sich auf mit ihrem sehr außergewöhnlichen Stil auf ihre eigene Weise.

Im Jahr 2005 beschwerte sich die englische Designerin Vivienne Westwood in einem Interview mit dem deutschen Magazin Cicero darüber, dass Mode heute nichts mehr mit der Persönlichkeit zutun habe, es sich heute vielmehr um eine Uniformierung durch die Massenproduktion handle. Der Blick auf die roten Teppiche dieser Welt scheint dies sofort zu bestätigen:  Letztendlich sehen wir doch bei jeder Veranstaltung größtenteils die gleichen Kleider in einer begrenzten Zahl an Variationen, wenn auch von verschiedensten Designern. Nur wenige Stars wagen den Blick über den Tellerrand und trauen sich wirklich in ausgefallenen und mehr oder weniger einzigartigen Kleidern auf den roten Teppich. Der Grund dafür ist einfach, wie einleuchtend:  die Presse und das Image. Es wäre nicht das erste Mal, dass die gefürchtete Blackwell-Liste oder diverse „Worst Dressed Women„-Listen ein Image oder gar ganze Karrieren zerstören. Haute Couture-Kleider sind häufig eher Kunst als tragbare Kleider und gefallen längst nicht jedermann. Sie sind extrem aufwändig verarbeitet und wirken gerne überladen. Die Gefahr dabei auch unvorteilhafte oder gar hässliche Kleider auszuwählen, ist sicher größer, als bei Kleidern, die wir schon unzählige Male gesehen haben. Doch eben an dieser gewöhnlichen und uninspirierten Mode orientiert sich Tilda Swinton nicht. Sie wählt ihre Kleider, ebenso wie ihre Rollen, scheinbar nach dem künstlerischen Wert. Sie wählt aus den Haute Couture-Kollektionen der wohl teuersten und angesehensten Designer, wie Yves Saint Laurent, Christian Dior oder Lanvin, aus. Auf Veranstaltungen erscheint sie in der Regel ungeschminkt; ihre Frisur ist seit Jahren die Gleiche und variiert hin und wieder während Dreharbeiten.

Doch auch bei Tilda Swinton liegen Top und Flop nahe beieinander. So glänzte sie auf der diesjährigen Oscar-Verleihung in einer beige-schwarzen, langen und raffiniert drapierten Robe von Lanvin, wohingegen sie im vergangenen Jahr in einem schwarzen Albtraum aus Samt (ebenfalls von Lanvin) erschien. Bei der Verleihung der BAFTA-Awards 2008 in London trug sie gelb-goldenes, mit Federn besetztes Kleid von Dior, das sicher auch längst nicht jedem gefiel, wohingegen sie bei der diesjährigen Berlinale in einem hautfarbenen, sehr leichten Kleid von Thakoon wieder höchst positiv auffiel. Doch unabhängig davon, was Modekritiker oder ein Jedermann von ihrem Stil halten mögen, eine Uniformierung oder gar ein in Masse produziertes Kleid kann man ihr nicht vorwerfen. Stellt man zehn Schauspielerinnen in eine Reihe, fällt sie als höchst individuell auf. Ihre Kleider stellen sie als Künstlerin dar, die nicht aufgrund ihres Sex-Appeals oder der in Hollwood üblichen Size Zero beurteilt wird. Bei ihr stehen außergewöhnliche und extravagante Roben im Vordergrund, die sie authentisch zeigen und in keiner Weise verkleidet darstellen. Natürlich auch trägt sie keine Einzelstücke. So war ihr wunderschön schlichtes Oscar-Kleid von 2009 schon Anfang des Jahres beim Luxus-Onlineversand www.net-a-porter.com für Jedermann für ca. 9 000 Euro zu erstehen, ebenso trugen auch andere Stars, wie Beyoncé Knowles, die im Sommer sehr angesagten Cage Sandals von Yves Saint Laurent. Doch trotz allem ist – oder vielmehr sollte – die 49-jährige Britin ein Vorreiter in Sachen Haute Couture und klassischer Eleganz . Sie ist in ihrem ganzen Auftreten einzigartig und würde in einem typischen, figurbetonten oder schulterfreien Kleid vermutlich nicht aussehen, wie sie selbst. Ihre Rollen sind es, also sollten auch ihre Kleider höchst ungewöhnlich sein.