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Okt
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Fashion-Idol: Tilda Swinton

Sie spielte 2000 neben Leonardo DiCaprio die Hauptrolle in „The Beach“ , neben Tom Cruise und Cameron Diaz 2001 eine Nebenrolle in „Vanilla Sky“ , entjungferte 2008 Brad Pitt in „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ , stahl 2004 Keanu Reeves in „Constantine“ als androgyner Erzengel Gabriel die Show, die weiße Hexe Jadis in „Die Chroniken von Narnia“ machte  sie 2006 weltbekannt und die Rolle einer skrupellosen Anwältin neben George Clooney in „Michael Clayton“ brachte ihr 2008 einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Doch trotz dieser großen Namen, die man mit Tilda Swinton in einem Atemzug in Verbindung bringen kann, ist sie alles andere als der klassische Hollywood-Star:  von großen Blockbustern hält sie sich fern, ihre Rollen wählt sie mit Bedacht und nach künstlerischem Wert. Auch auf dem roten Teppich zeigt sich schnell, dass sie sicher nicht der klassische weibliche Hollywood-Star ist. Sie löst kein Blitzlichtgewitter aus, sondern präsentiert sich auf mit ihrem sehr außergewöhnlichen Stil auf ihre eigene Weise.

Im Jahr 2005 beschwerte sich die englische Designerin Vivienne Westwood in einem Interview mit dem deutschen Magazin Cicero darüber, dass Mode heute nichts mehr mit der Persönlichkeit zutun habe, es sich heute vielmehr um eine Uniformierung durch die Massenproduktion handle. Der Blick auf die roten Teppiche dieser Welt scheint dies sofort zu bestätigen:  Letztendlich sehen wir doch bei jeder Veranstaltung größtenteils die gleichen Kleider in einer begrenzten Zahl an Variationen, wenn auch von verschiedensten Designern. Nur wenige Stars wagen den Blick über den Tellerrand und trauen sich wirklich in ausgefallenen und mehr oder weniger einzigartigen Kleidern auf den roten Teppich. Der Grund dafür ist einfach, wie einleuchtend:  die Presse und das Image. Es wäre nicht das erste Mal, dass die gefürchtete Blackwell-Liste oder diverse „Worst Dressed Women„-Listen ein Image oder gar ganze Karrieren zerstören. Haute Couture-Kleider sind häufig eher Kunst als tragbare Kleider und gefallen längst nicht jedermann. Sie sind extrem aufwändig verarbeitet und wirken gerne überladen. Die Gefahr dabei auch unvorteilhafte oder gar hässliche Kleider auszuwählen, ist sicher größer, als bei Kleidern, die wir schon unzählige Male gesehen haben. Doch eben an dieser gewöhnlichen und uninspirierten Mode orientiert sich Tilda Swinton nicht. Sie wählt ihre Kleider, ebenso wie ihre Rollen, scheinbar nach dem künstlerischen Wert. Sie wählt aus den Haute Couture-Kollektionen der wohl teuersten und angesehensten Designer, wie Yves Saint Laurent, Christian Dior oder Lanvin, aus. Auf Veranstaltungen erscheint sie in der Regel ungeschminkt; ihre Frisur ist seit Jahren die Gleiche und variiert hin und wieder während Dreharbeiten.

Doch auch bei Tilda Swinton liegen Top und Flop nahe beieinander. So glänzte sie auf der diesjährigen Oscar-Verleihung in einer beige-schwarzen, langen und raffiniert drapierten Robe von Lanvin, wohingegen sie im vergangenen Jahr in einem schwarzen Albtraum aus Samt (ebenfalls von Lanvin) erschien. Bei der Verleihung der BAFTA-Awards 2008 in London trug sie gelb-goldenes, mit Federn besetztes Kleid von Dior, das sicher auch längst nicht jedem gefiel, wohingegen sie bei der diesjährigen Berlinale in einem hautfarbenen, sehr leichten Kleid von Thakoon wieder höchst positiv auffiel. Doch unabhängig davon, was Modekritiker oder ein Jedermann von ihrem Stil halten mögen, eine Uniformierung oder gar ein in Masse produziertes Kleid kann man ihr nicht vorwerfen. Stellt man zehn Schauspielerinnen in eine Reihe, fällt sie als höchst individuell auf. Ihre Kleider stellen sie als Künstlerin dar, die nicht aufgrund ihres Sex-Appeals oder der in Hollwood üblichen Size Zero beurteilt wird. Bei ihr stehen außergewöhnliche und extravagante Roben im Vordergrund, die sie authentisch zeigen und in keiner Weise verkleidet darstellen. Natürlich auch trägt sie keine Einzelstücke. So war ihr wunderschön schlichtes Oscar-Kleid von 2009 schon Anfang des Jahres beim Luxus-Onlineversand www.net-a-porter.com für Jedermann für ca. 9 000 Euro zu erstehen, ebenso trugen auch andere Stars, wie Beyoncé Knowles, die im Sommer sehr angesagten Cage Sandals von Yves Saint Laurent. Doch trotz allem ist – oder vielmehr sollte – die 49-jährige Britin ein Vorreiter in Sachen Haute Couture und klassischer Eleganz . Sie ist in ihrem ganzen Auftreten einzigartig und würde in einem typischen, figurbetonten oder schulterfreien Kleid vermutlich nicht aussehen, wie sie selbst. Ihre Rollen sind es, also sollten auch ihre Kleider höchst ungewöhnlich sein.

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