Archive for the 'Fashion-Trend' Category

18
Mrz
10

Mit Gummi und roter Schleife

Slip mit Außentasche für's Kondom (ca. 20 Euro)

Sportslip mit Außentasche für's Kondom (ca. 20 Euro, Kenzo)

Bereits 33 Millionen Menschen gelten weltweit als HIV-positiv. Geschätzte 2,5 Millionen infizieren sich jährlich. Statistisch gesehen sind das fünf Menschen pro Minute. Zahlen der Deutschen Aids-Stiftung, die aufhorchen lassen sollten. Dennoch findet die Krankheit kaum Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung.

Mit einer verblüffend einfachen Idee engagiert sich nun aber das japanische Modelabel Kenzo im Kampf gegen Aids. Die neuen Sportslips wurden mit einer kleinen Außentasche versehen – inklusive Kondom. Eine naheliegende, wie praktische Lösung. Für 20 Euro ist der Schlüpper auch durchaus bezahlbar. Durchaus ansehnlich wird das Modell übrigens an den Lenden des französischen Schwimmers Frédérick Bousquet vorgestellt.

Ein solches Engagement lobe ich mir!

13
Jan
10

Vegan im Trend – jedoch mit Verfallsdatum …

Für 545 Euro bietet der Luxus-Onlineversand net-a-porter.com ein Paar Stiefel der britischen Designerin Stella McCartney an. Eigentlich kein ungewöhnlicher Preis für Designerschuhe. Doch hier handelt es sich nicht etwa um feinstes Rindsleder, sondern um synthetisch hergestelltes Leder. Ein Blick auf die Internetseite des New Yorker Traditionskaufhauses Bergdorf Goodman offenbart Ähnliches: eine Handtasche für fast 1 400 Dollar – aus falschem Leder. Faux Leather, so die Fachbezeichnung. Was man davon halten mag? Ein schwierige Frage. Gerade in den vergangenen Jahren haben die Bedeutung von Pelz und Leder in der Mode deutlich zugenommen. Während Balmain und Gucci den Großteil ihrer Kollektionen in Leder produzieren ließen, setze Oscar de la Renta ein weiteres Mal auf eine eigene Pelz-Kollektion – vorwiegend aus Lamm- und Fuchsfellen. Stella McCartney steht dem aber nicht nur als überzeugte Vegetarierin und Tierschützerin gegenüber, sondern auch als Designerin. Sie selbst sieht sich als eine gute Designerin – durchaus mit Anwandlungen von Selbstkritik. Doch während Designergrößen, wie Karl Lagerfeld oder eben Oscar de la Renta, die Modebranche als eine schillernde Welt von wunderschönen Menschen mit ebenso wunderschönen Kleidern aufzeigen, geizt McCartney nicht mit Kritik an ihrer eigenen Branche:

Eigentlich besteht die ureigenste Aufgabe der Mode darin, Grenzen zu überschreiten. Sie soll Fragen aufwerfen und Neuland erobern. Man sollte mit jeder neuen Kollektion nicht nur Trends und Silhouetten neu definieren, sondern auch Stoffe und Herstellungsmethoden. Das geschieht aber nicht. Von allen Branchen der Welt wirkt ausgerechnet meine zunehmend rückständig und anachronistisch.

Eben dieses Neuland erobert die 38-jährige Britin. Sie sieht Leder oder Pelz als nicht mehr zeitgemäß. Sie setzt auf Baumwolle, Kaschmir, Seide oder Leinen. Schuhe und Handtaschen werden aus biologisch abbaubarem Lederimitat produziert. Nach eigenen Angaben ist die Produktion dieser Imitate bis zu 70 Prozent teurer. Qualitätsunterschiede sind angeblich nicht vorhanden. Als Vorbild sieht sich McCartney offenbar dennoch nicht. Sie verfolgt ihre eigene Linie, sowohl in ihrer Mode als auch in ihrer Philosophie:

Eigentlich finde ich es spannender, wenn die Leute gar nicht merken, dass sie in meinem Laden gerade Schuhe aus einem synthetischen Material gekauft haben. Ich mag das Gefühl, sie infiltriert zu haben.

Die Philosophie der medienscheuen McCartney ist im Segment der High Fashion absolut einzigartig – lobenswert, keine Frage. Damit vermag sie in der großen Modewelt aufzufallen. Reine PR? Diese Frage bleibt wohl offen. Eine klare Linie in ihrer aktuellen Kollektion sucht man dennoch vergebens. Ihre Stärken liegen zweifelsohne in ihrem persönlichen Gleichgewicht aus femininer und maskuliner Mode. Seit Beginn ihrer Karriere vor etwa acht Jahren wurde eben das zu ihrem Markenzeichen. Es galt als revolutionär, als sie Frauen in maskulinen Anzughosen mit femininen Rüschen-Tops auf den Laufsteg schickte. Dieser Look findet sich immer noch in ihrer aktuellen Frühjahrs-Kollektion. Ebenso trugen Damen schwere Jackets zu engen Hosen und hohen Schuhen – damals einzigartig. Während sich dieser Trend nun aber auch in unteren Preissegmenten hin zur Massenmode verbreitet hat, scheint es Stella McCartney an ähnlich revolutionären Ideen heute zu fehlen. Schöne, zeitgemäße Stücke finden sich problemlos. Gelungene Designs und kreative Umsetzung zeichnen die Kollektion ebenso aus. Doch neu zu definieren scheint sich die Designerin aber nicht wirklich – sieht sie doch auch das als eine Aufgabe der Mode. Neben üblichen Beige- und Brauntönen, zeigt sie eine Vorliebe für ein kräftiges Blau – Gucci’s „Tide“ lässt grüßen – und bedauernswerterweise Orange. Mit blumigen Mustern und übermäßigen Rüschen leistet sie sich einige wenige Entgleisung.

Ihre Botschaft in dem sehr sympathischen Vogue-Interview (11/09) ist lobenswert, aber gleichzeitig realistisch – ein zu seltenes Fazit in bei vergleichbaren Themen:

Selbst wenn der Preis stimmt, würde ich nicht mit Pelz oder Leder arbeiten. Mir ist allerdings klar, dass ich privilegiert bin (…) Mir ist sehr wohl bewusst, dass die meisten Menschen aus Gründen des Überlebens Zugeständnisse machen müssen und dass ich eine Art Glückspilz bin.

Es ist zu bezweifeln, dass sich McCartneys Philosophie grundsätzlich durchsetzt – mag man davon halten, was immer man will. Ebenso gebe ich ihr Recht, dass Mode Fragen aufwerfen und eben Neuland erobern soll – ein sehr schönes Zitat übrigens. Dennoch sollten auch bei Stella McCartney die Designs wieder in den Vordergrund rücken, sonst ist wohl zu befürchten, dass von ihrer Kollektion in durchaus absehbarer Zeit nur ihr bekannte Nachname bleibt. Das wäre eindeutig eine Vergeudung ihres Talents.

09
Okt
09

Posh goes High Fashion … und Ja, sie hat’s drauf!

Sie ist eine der best gekleidetsten Frauen der Welt, sie gibt im Jahr Millionen für ihren makellosen Look aus und ein Outfit würde sie nie zwei Mal tragen. Bei einer derartigen Hingabe zur Mode liegt es wohl nahe, dass auch sie sich in der Reihe von prominenten Designern berechtigt sieht. Doch ist es nun ein Trend oder eine Plage, dass mehr und mehr Stars oder solche, die es gerne wären, eigene Mode entwerfen oder es zu mindestens versuchen? Natürlich lässt der prominente Name auch in der Welt der Mode fast automatisch die Kasse klingen, doch ein solcher Erfolg ist oftmals eher von kurzer Dauer. So designte „Sex and the City“ – Ikone Sarah Jessica Parker 2004 für GAP auf Grabbeltisch-Niveau,  Topmodel Kate Moss löste 2007 auf der Londoner Oxford Street tagelanges Warten für überteuerte Kleider in minderwertiger Qualität aus, Madonnas durchaus gelungene H&M-Kollektion wurde 2005 größtenteils zum Ladenhüter und die ehemalige „No Doubt“ – Sängerin Gwen Stefani gründete 2003 mit L.A.M.B. ihr eigenes Modelabel, mit dem sie 2007 über 90 Mio. Dollar verdiente. Nun folgte Victoria Beckham mit ihrer ersten Runway-Show und die Kritiker sind ihr durchaus wohlgesonnen. Doch was genau ist es, dass Posh Spice von anderen prominenten Designern unterscheidet?

Bereits seit einigen Jahren gilt Victoria Beckham als Vorreiterin neuer Trends, besonders ihre ständig wechselnden Frisuren sorgen weltweit für Aufsehen. Doch als Modedesignerin war die heute 35-jährige bisher kaum beachtenswert. Ihre Jeanslinie VB Rocks für Rock & Republic waren 2004, trotz der 300 Dollar pro Hose, ein kommerzieller Erfolg, doch revolutionär oder innovativ konnte man ihre Kreationen nicht nennen. Letztendlich bestand die Kollektion aus gewöhnlichen Jeans mit einem überdimensionalen Logo auf dem Po. Anders jedoch ihre High Fashion-Designs, die im vergangenen Jahr auch von vielen Prominenten, wie Heidi Klum oder Elle Macpherson, getragen wurden. Der Verkauf der Kleider, die zwischen 1 500 und 3 000 Euro kosten, stieg mehr und mehr an. Victoria Beckham verfolgt mit ihrer Kollektion eine klare Linie:  schlichte und deutliche Schnitte, figurbetont (besonders in der Taille) und vor allem klassisch elegant. Mrs. Beckham scheint für schlichte und klassische Eleganz zu appellieren, während andere Designer, wie Oscar de la Renta oder Zac Posen, mehr und mehr pompöse und aufwändig drapierte Kleider designen und dabei auch mehr und mehr an innovativen und revolutionären Ideen zu verlieren scheinen. Victoria hingegen zeigt ihre eigene Vision von Eleganz. Sie zeigt sehr deutlich, dass Eleganz und Sexappeal nicht zwangläufig mit nackter Haut und wenig Stoff einher gehen müssen – sie hat aus modischen Fehlgriffen der Vergangenheit offenbar gelernt. Denn eben hier liegen die Stärken ihrer Kollektion. Victoria Beckham verzichtet darauf ihre Designs zu überladen. Sie setzt gezielt Details ohne es dabei zu übertreiben. Die Höhepunkte der Kollektion sind zweifellos die Abendkleider, die fast alle durch lange Ärmel und geschickte Details, wie Schulterpolster, Taillengürtel oder aufwändigen Paillettenbesatz auffallen. In puncto Farben beschränkt sich die ehemalige Sängerin glücklicherweise auf eine geringe Auswahl. Der Großteil der Kollektion ist klassisch schwarz. Einige Entgleisungen hin zu rot oder lila sind zwar eher misslungen, aber dennoch bedingt vorzeigbar.

Alles in allem ergeben Victoria Beckhams Designs eine wunderbar klassische und erfreulich schlichte Kollektion, die Eleganz und insbesondere Sexappeal auf eine positiv altmodische Art zeigt. Der Simple Chic wird hier in Verbindung mit aufwändigen und ausgefallenen Schnitten auf eine sehr gelungene Weise umgesetzt. Natürlich sind Vergleiche zu Jil Sander, Chanel, Karl Lagerfeld und insbesondere zu Roland Mouret nicht von der Hand zu weisen, doch mit ihrer eigenen Vision von Eleganz grenzt sich Posh durchaus ab. Eben hier liegt ihr Erfolg gegenüber anderen prominenten Designern. Sie hält sich fern von Modeerscheinungen und entwirft Kleider, die in einem halben Jahr nicht völlig überholt sein werden. Sie verbindet aktuelle Trends mit Bewährtem, übertreibt es aber glücklicherweise nicht. Es bleibt abzuwarten, ob Victorias Erfolg bei der Fashion Week in New York und London ein Glückstreffer oder der Startschuss für eine große Karriere als Designerin war. Zu Gönnen wäre es ihr …

17
Sep
09

Der neue Dandy: Ausgefallener, Exklusiver und Bunter

Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden.  (Thomas Carlyle, britscher Schriftsteller 1795-1881)

Der Herr von Welt und Mode hatte in es in den letzten Jahren mit vielen, sich aber recht ähnlichen Trends zu tun. Ob der Grunch-, Rocker- oder Used-Look, letztendlich waren es doch immer enge Jeans, T-Shirt und Chucks, all dies in farblichen Variationen. Doch während Ralph Lauren, Burberry oder COS bei Herren mit klassischen Schnitten, auffallenden Mustern oder extravaganten Schnitten schon einige Jahren einen Trendwechsel zu fordern scheinen, kam der Trend bei Massenherstellern, wie H&M oder Zara bisher nicht an. Doch das ändert sich in diesem Herbst …

Die Herrenmode wird spürbar eleganter:  Stoffhosen anstelle von Jeans, Strickwaren anstelle von simpler Baumwolle, Boots oder Loafers in Leder oder Lack anstelle von Stoffturnschuhen, Muster anstelle von trostloser Leere. Dieser doch eher klassische oder sagen wir es doch einfach spießige Trend kommt nicht etwa, wie mancher vielleicht glauben mag aus Großbritannien, sondern in der Tat aus den USA. Wodurch inspiriert oder vielmehr popularisiert? Natürlich, durch einen Teenieschwarm! Seit 2007 flimmert Ed Westwick alias Chuck Bass in Gossip Girl wöchentlich in den Fernsehern und sein elitäres Auftreten mit Fliege, Einstecktuch, Seidenschal, ausgefallenen Jackets und auch gerne mal mit Mut zur Farbe – erst neulich sah ich seinen leuchtend orangen Trenchcoat – machten ihn zum angesagten It-Boy und männlichen Stilikone. Ein durchaus ein seltener Titel für einen männlichen Schauspieler. Obwohl die Serie im deutschen Fernsehen floppte, erreicht der Dandy nun auch Deutschland.

H&M scheint mehr und mehr wert auf seine H&M Man-Reihe zu legen und differenziert sie deutlich zum jugendlich bunten Divided und gewöhnlich, lässigen LOGG. Anzüge, Jackets und Stoffhosen scheinen vom Gastspiel vor einigen Jahren zum Hauptbestandteil der Kollektion geworden zu sein. Auch Strickjacken nehmen in der aktuellen Herbst-Winter-Kollektion einen Großteil ein. Ausgefallene Stoffhosen im Jeansschnitt sind in vielen aussergewöhnlichen Farben erhältlich. Scheinbar nebenher sorgt H&M mit verstärktem Einsatz von Rostrot noch für einen farblichen Herbsttrend. Doch neben H&M folgt auch Zara dem New-Dandy-Trend. Ledertaschen und extravagante Boots runden den Look hier ab. Hier eher tragisch dabei ist die oftmals mindere Qualität der Lederimitate – besonders bei den Taschen. Auch Designerlabels, wie Dolce&Gabbana oder Gucci scheinen großen Gefallen am New Dandy zu finden. Sie setzen aber auf eigene Trends, von denen H&M oder Zara nicht einmal zu träumen scheinen. Gucci scheint das Jacket völlig neu zu erfinden und kreiert vom Sportjacket in Baumwolle über Samtjacken bis hin zum glänzenden Jacket im Rubikmuster, einreihig oder zweireihig, mit hohem oder tiefem Revers … die Möglichkeiten scheinen schier endlos. Farbliche Akzente setzen hier Hemden und/oder Krawatten. Ob Rubinrot, Magenta, „Tide“ (Gucci’s patentierte Farbe – ein sehr dunkles Blau) oder knalliges Rot; an Tristesse haben die Designer des italienischen Modehauses scheinbar kein Interesse. Doch eben genau dieser Mut zur Farbe revolutioniert den klassischen Dandy. Historisch kleidete sich der britische Dandy im 18. und 19. Jahrhundert eher zurückhaltend, verzichtete auf auffälligen Schmuck oder ebenso auffällige Farben. Der Kern der Mode lag jedoch ebenso in seiner Eleganz, was den klassischen Dandy vom New Dandy kaum zu unterscheiden vermag. Freuen wir uns lieber auf den eleganten Herren, ob mit oder ohne Farbe.

12
Sep
09

Herbsttrend: Simple Chic vs. Glamrock-Chic – Gibt’s einen Gewinner?

Nachdem der Sommer nun sein Ende gefunden hat und die Herbstmode in den Geschäften nun auch tatsächlich einen Sinn ergibt, stellt sich erstmals die Frage, was die Herbsttrends 2009 sind. In diesem Jahr lassen sich zwei recht unterschiedliche Trends erkennen:   zum einen den eher schlichten und eleganten Look, der sich durch teilweise asymetrische und aufwendige Schnitte kennzeichnet und zum anderen den sehr auffälligen Look, der mit glänzenden Stoffen, Leder oder Paillietten nicht geizt. Wer gewinnt?

Seit 2007 feiert nun die H&M-Tocher COS (Collection of Style) schon seinen Siegeszug in der Modebranche. In acht deuschen Shops steigt der Umsatz mehr und mehr, die Kollektionen sind ein Renner . Im Gegensatz zu anderen großen Ketten verfolgt COS aber auch einen klaren Stil:  schlichte und meist dezente Farben, hauptsächlich verschiedene Grautöne, klare und ausgefallene Schnitte und vor allem gute Qualität zu annehmbaren Preisen. Die Kollektionen sind sicher keine Innovationen der Modebranche, lassen eine deutliche Ähnlichkeit mit Jil Sander erkennen und sind ebenso deutlich inspiriert von großen Designern, wie Karl Lagerfeld oder Calvin Klein. Dennoch ist sie nicht frei von Kreativität. Denn letztendlich ist es COS zu verdanken, dass Schlichtheit und Eleganz in diesem Herbst eine große Rolle spielen werden. Doch was genau zeichnet diesen Simple Chic aus? Ein wichtiges Schlüsselwort ist Asymetrie, denn ausgefallene Schnitte stehen hier im Vordergrund. Die Farben sind daher eher zurückhaltend. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. So hat Jil Sander jüngst ein äußerst extravagantes Kleid in leuchtendem orange vorgestellt. Ebenfalls sehr groß im (Wieder-)kommen sind Schulterpolster. Blazer, Blusen und T-Shirts setzen wieder auch breite Schultern, doch im Gegensatz zu den Schulterpolstern der 80er soll die Taille dadurch schmaler und zierlicher wirken.

Der Glamrock-Chic wird in diesem Herbst besonders von Gucci forciert. Dennoch ist er bei der Massenmode längst angekommen. Zara und Mango setzen vermehrt Paillietten ein, H&M und American Apparel setzen auf Lackleder bzw. entsprechende Imitate, der Overknee-Stiefel ist nach einem kurzen Intermezzo vor einigen Jahren zurück und auch der abnehmende Plateau-Trend erfindet sich neu. Doch die Umsetzung dieses Trends ist noch sehr unschiedlichlich. Während man bei Gucci verstärkt auf Hosenanzüge, variiert vom eleganten Blazer bis hin zur sexy Bikerjacke kombiniert mit engen Lederhosen, setzt, überwiegen bei erschwinglicheren Labels, wie z. B. Mango, hauptsächlich lange Oberteile, gerne im Stil von Tanktops, kombiniert mit Leggings oder engens Hosen im Schnitt von Röhrenjeans. Hier variiert in erster Linie das Material:  Lack, Leder, gerne auch Kroko-Leder oder Lurex sind da besonders vertreten. Farben spielen aber eine ebenso große Rolle:  H&M setzt auf schwarz, Zara auf silber und Gucci findet großen Gefallen an blau. Die Schnitte sind sehr figurbetont. Doch während mit weiteren Oberteilen und Jacken die ein oder andere Problemzone kaschiert werden kann, zeigen die engen Hosen und Leggings an Bein und Po jede Problemzone gnadenlos. Darum ist Vorsicht geboten!

Verschiedener und gegensätzlicher könnten die Trends des diesjährigen Herbstes gar nicht sein und die Frage nach dem Besserem stellt sich schnell, ist jedoch alles andere als leicht zu beantworten. Während der Glamrock-Chic für den Alltag oder den Gang ins Büro eher bedingt einsetzbar ist, führt der Simple Chic gerade im Bereich der Abendmode dazu, schnell overdressed oder auch langweilig zu wirken. Paillieten am Tag wirken ebenso wie drappierte Wollkleider im hippen Szeneclub eher deplaziert. Eben genau diese strengen Eigenschaften machen diese Look schwer kombinierbar:  Wer im Büro durch einen schlichten, angemessenen Dress überzeuge möchte, ist bei Paillietten und Leder falsch; wer beim Clubbing durch sexy Glamour-Outfits von sich Reden machen möchte, ist bei schlichten Farben und häufig hochgeschlossenen Oberteilen alles andere als richtig.  Dennoch sind Möglichkeiten der Kombination bedingt gegeben:  der schlichte, schwarze Blazer mit Schulterpolster wirkt mit einer hautengen Lack- oder Lurexleggins sehr graziös, ebenso wie das paillietenbesetzte Top mit der schlichten Wollhose. Doch Vorsicht ist hier geboten! Die Looks sind in der Regel sehr figutbetont und sicher nicht für jedermann geeignet …

Ob nun Simple-Chic oder Glamrock-Chic? Einen klaren Gewinner gibt es generell nicht, doch an manch breiter Hüfte hoffe ich keine enge Lederleggings oder an manch dickem Bauch keinen taillierten Blazer mit Schulterpolstern, der die Taille ja besonders betont, zu sehen. Zwei tolle Looks läuten nun wohl langsam den Herbst ein, dennoch rate ich bei diesen doch eher schwierigen Looks dringend zu einer guten Selbsteinschätzung oder einer ehrlichen Shoppingbegleitung.

25
Aug
09

Retten Filmlegenden ein französisches Nobellabel?

Seit über einem halben Jahr redet alle Welt über die Wirtschaftskrise und über 2009 als Rezessions- und Inflationsjahr. Banken und Autokonzerne kämpfen gegen die Pleite, der Staat greift mit umfangreichen Rettungsplänen und Konjunkturpaketen ein. Was Nachrichten und Zeitungen jedoch verschweigen bzw. sehr vernachlässigen ist die Tatsache, dass die Wirtschaftskrise weit mehr Branchen als die Immobilien- oder Kraftfahrzeugbranche betrifft. Denn auch viele Modehäuser vermelden dramatische Umsatzeinbußen, wie Burberry oder Gucci, teilweise sogar die eigene Insolvenz, wie das Münchener Unternehmen Escada. Der aktuelle stern (Ausgabe 35/09) jedoch berichtet von einem positiven Beispiel, wie vor allen Ding das französische Nobelhaus Hermès diesem eher unpopulären Trend entgegen steuert. Doch woran liegt es, dass gerade das schlichte Hermès gestärkt aus der Krise hervorgeht? Die Antwort findet sich bereits in der Frage selbst. Während Gucci eher moderne und aktuell trendige Luxusmode produziert, die in einem Jahr wieder überholt ist, setzt Hermès auf das traditionelle Schlichte seiner Produkte. Während eine Gucci-Tasche durch auffällig und große Logos oder das typische Gucci-Muster als die solche zu erkennen ist, erkennt eine Hermès-Tasche bloß der Kenner. Die Handtaschen des seit sechs Generationen in Familienhänden betriebenen Unternehmens setzt seit nunmehr 80 Jahren auf die gleiche Tasche und hat sich nur anhand von Farbe und Material dem Trend angepasst.

Grace Kelly (hier mit Ehemann Fürst Rainier von Monaco) trägt Kelly-Bag am Arm

Grace Kelly (hier mit Ehemann Fürst Rainier von Monaco) mit Kelly-Bag

Erste Aufmerksamkeit erregete die sogenannte Kelly-Bag 1956. Es scheint immer noch ein Mode-Mythos, dass Fürstin Gracia Patrizia von Monaco (immernoch besser bekannt als Grace Kelly) mit der großen Tasche ihren Babybauch zu verstecken versuchte. Nie wurde sie offiziell Werbeträger für das französische Modehaus, die Tasche wurde ihr dennoch persönlich gewidmet. Noch weit bekannter und ein zurzeit noch viel größerer Trend ist die nach Jane Birkin benannte Birkin-Bag. Konkrete PR gibt es vom Modehaus selbst nicht, doch das Image der Taschen wurde schon sehr treffend formuliert:

It’s not a bag. It’s a fucking Birkin. (Sex and the City)

Immer wieder werden klassische Stücke zu Must-Haves und Kultobjekten der Mode gekürt. So hat es vor einigen Jahren der Alma-Bag von Louis Vuitton erlebt. Doch während dieser in jeder Louis Vuitton-Filiale für etwa 600 Euro für so ziemlich jedermann zu erstehen ist und unverzüglich mitgenommen werden kann, kostet eine Birkin-Bag zwischen 4 000 und 18 000 Euro. Besonders ist allerdings, dass der Kunde hier den hohen Preis nicht für eine Tasche bezahlt, sondern für die Teilnahme an einem monatelangen, wenn nicht sogar jahrelangem, Warteverfahren, bis er die Tasche sein Eigen nennen darf. Während in Zeiten der Globalisierung selbst Luxushersteller in Asien, besonders in China am Fließband produzieren, wird eine Tasche von Hermès in Handarbeit in der hauseigenen Fabrik in Frankreich hergestellt. Etwa 20 Stunden dauert die Herstellung einer einzigen Tasche. Dennoch oder vermutlich gerade deswegen sind die Taschen Kult und ein absolute Trendsetter (… auch wenn ich dieses moderne Wort hasse: Man kann es einfach nicht anders nennen). Es ist egal, ob eine der bestgekleidetsten Frauen der Welt oder It-Girls, die häufig durch eher fragwürdige modische Entscheidungen auffallen, die Birkin-Bag findet sich an den Unterarmen von Sarah Jessica Parker über Eva Longoria bis hin zu Nicky Hilton oder Lindsay Lohan (… die ich im gestern ausgestrahlen Film „Bobby“ übrigens ganz hervorragend fand). Doch natürlich sticht auch hier besonders Victoria „Posh“ Beckham heraus. Schon durch simple und oberflächliche Suche mithilfe von Google, sah ich, dass sie zahlreiche Hermès-Taschen in verschiedensten Variationen besitzen muss:  Ob rot, weiß, rosa, blau oder schwarz kann Posh zahlreiche Taschen sowohl in Kroko- oder Aligatorleder  und verschiedenen Größen vorzeigen. Während Rory Gilmore (Gilmore Girls) ihre Computerkabel darin verstauen wollte, Lily van der Woodsen (Gossip Girl) mit ihrer die noble New Yorker Madison Avenue entlang spazierte, sich Samantha Jones (Sex and the City) für ihre mit Lucy Liu anlegte oder Karen Walkers Hund (Will & Grace) darin sein Geschäft erledigte, wurde die Tasche zu einem populären Kultobjekt. Dennoch scheint sich der franzöische Luxuskonzern wohl darauf geeinigt zu haben auf aufdringliche oder provokante Werbung – womit in den letzten Jahren vor allen Ding die Italiener Dolce&Gabbana auffielen – sowie auf große Labels an den Produkten – hier sind Chanel und Gucci besonders präsent – zu verzichten. Das Geschäft scheint ja offenbar zu brummen. In konkreten Zahlen, so der stern, steigerte sich der Umsatz von Hermès um 1,8 Milliarden Euro allein im vergangenen Jahr. Also:  Dankt der fucking Birkin und nebenher den ebenso berühmten, aber meist hässlichen Tüchern für eine positive Meldung in Zeiten von Krise und täglicher Erinnerung an die jene.

Vicotria Beckham mit hellblauer Birkin

Victoria Beckham mit hellblauer Birkin

Vicotria Beckham mit rosa Birkin

Victoria Beckham mit rosa Birkin

Victoria Beckham mit brauner Birkin

Victoria Beckham mit brauner Birkin

14
Aug
09

Der Kampf um’s Leder … und einmal mehr Angelina vs. Jennifer

In den vergangenen Jahren fristeten sie ein trostloses und eher eintöniges Dasein:  Lederjacken. Während eine Vielzahl von Labels die haltbar gemachte Tierhaut für eher gewöhnliche Bikerjacken oder aus der Mode geratene Lederblazer verwerteten, revolutionierte das französische Luxushaus Balmain den Umgang mit Leder 2008 vollends. Breite, wie hohe Schulterpolster und stark tailliert kreiert Balmain-Chefdesigner Christophe Decarnin auf höchstem Niveau.

Victoria Beckham in Balmain

Victoria Beckham in Balmain

Erste Aufmerksamkeit bekamen die Luxusjacken durch Victoria Bechkams pressereichen Auftriff am Flughafen in London. Während Posh auf gewohnt hohen Hacken, mit weißer Birkin-Bag in der Hand, Ray Ban-Pilotenbrille auf der Nase und schwarzer Offiziersmütze (ebenfalls Balmain) auf dem Kopf durch den Heathrow-Airport trabt, stechen ihre ungewohnt breiten Schultern und gewohnt schmale Taille, geformt durch die Balmain-Lederjacke, hervor. Interessanterweise hat sich ein übliches Phänomen der High Fashion bisher aber nur teilweise eingestellt:  Während das Modell, das Victoria Backham trägt oder ähnliche Modelle bei etwa 8 000 Euro liegen und demnach sicher nicht für Jedermann zu erstehen ist, ist es normalerweise üblich, dass zunächst andere große Namen der Modewelt ihre persönliche Vision der Innovation vorzeigen und anschließend kaufhausübliche Labels High Fashion versuchen für Jedermann zugänglich zu machen, wurde die Balmain-Lederjacke von einem derartigen Klau bisher verschont. Dennoch ist es auffällig, dass sich Leder – auch jenseits von Jacken – durchsetzt. Ob Miniröcke, wie von Balmain, Pencil Skirts von Alexander McQueen, Mäntel mit Pelzkragen von Burberry oder Kleider, wie von Calvin Klein, Chanel oder Miu Miu, Leder könnte der Trend des anstehenden Winters werden. Auch die aktuelle Instyle (Ausgabe 09/09) widmet Leder verstärkt mehr Aufmerksamkeit, indem sie dem „Girls just wanna have fun“-Style, also Blümchenminikleid mit Lederjacke, ein Comeback  bereits im Sommer und Herbst prophezeit – vor allen Ding wohl deswegen, weil „Gossip Girl“ Taylor Mommsen darin gesichtet wurde. Dieser flippig-sexy Style steht dem schlicht-sexy Lederlook der High Fashion gegenüber, aber nicht unbedingt in etwas nach.

Minirock von Balmain

Minirock von Balmain (Quelle: net-a-porter.com)

Minikleid von Miu Miu

Minikleid von Miu Miu (Quelle: net-a-porter.com)

Ein Thema, das die Klatschseiten zur Zeit einmal mehr beschäftigt, ist wohl Brangelina gegen Jennifer Aniston und selbst hier dreht es sich um Leder:  Während Ex-Mrs. Pitt von der aktuellen Septemberausgabe der amerikanischen ELLE starrt und mit einem eher ungewöhnlichen Lederdress versucht ihr „Good Girl“-Image abzulegen, zieht Mrs. Jolie-Fast Pitt einige Tage nach der Veröffentlichung des Magazins nach. Sie erscheint auf der Hollywood-Premiere ihres Fast-Gatten neuen Films „Inglorious Basterds“ in einem hautengen Lederkleid. Selbstverständlich sieht die internationale Yellow Press darin nichts anderes als einen gekonnt inzinierten Seitenhieb Angelinas hin zu Pitts Ex. Während man international einmal mehr über die ehemalige Tomb Raider aufgrund ihrer Eifersucht lacht, wird Ms. Aniston (… von der mir im übrigen nicht mal eine berühmte Filmrolle einfällt. Sollen wir sie auch sechs Jahre nach der Einstellung von „Friends“ immernoch mit Rachel identifizieren? Wie auch immer …) zur neuen Stilikone in puncto Leder gekrönt. Doch inwieweit ist eine derartige Ehre gerechtfertigt? Sorry Jen, aber nicht einmal ansatzweise! War es doch schließlich Angelina Jolie die Ende der 90er mit ihrer Vorliebe für schwarz und durch ihren Gothic-Style auf den roten Teppichen auffiel, war es doch Jolie, die bereits 2005 in einem bodenlangen Abendkleid aus Leder und Seide von Versace bei der Premiere von „Mr. & Mrs. Smith“ – ironischerweise dem Film, bei dem Brangelina erst zu Brangelina wurden – auffiel und es war ebenfalls Jolie, die 2005 als Mrs. Smith in einem Lack-Minidress gar keine schlechte Figur machte. Doch ein Gutes hat die ähnliche Kleiderwahl von Jolie und Aniston wohl:  Jennifer Aniston entgeht ein weiteres Mal der Belanglosigkeit und der Gefahr vergessen zu werden. Mein Rat an Jennifer Anistion wäre wohl eher mal wieder einen guten Film zu drehen – vielleicht einem Kino-Spin Off von „Friends“ – und bei ihren doch gar nicht mal schlechten, dezenten Kleidern zu bleiben. Ihre Vorliebe für Chanel ist doch sehr zu begrüßen. Fakt ist schließlich, dass nicht jeder Trend, mag er noch so genial sein, jedem steht. Es ist in der Tat so, dass auch Angelina nicht das geschickteste Händchen ihrer der Kleiderwahl letzte Woche hatte. Was ist ausserdem mit ihren Haaren passiert? Doch wenn ich ihr Versace-Dress von vor vier Jahren betrachte und selbst Einzelteile der Herbstkollektion von Mango sehe, heiße ich Leder als neuen Trend mit weitgeöffneteten Armen willkommen. Willkommen!!!

Angelina Jolie auf der Premiere von "Inglorouis Bastards" in Hollywood, Jennifer Aniston auf dem Cover der amerikanischen ELLE (09/09)

Angelina Jolie auf der Premiere von "Inglorouis Bastards" in Hollywood, Jennifer Aniston auf dem Cover der amerikanischen ELLE (09/09)

Angelina Jolie in einem Lederkleid von Versace bei der Premiere von "Mr. & Mrs. Smith" 2005

Angelina Jolie in einem Lederkleid von Versace bei der Premiere von "Mr. & Mrs. Smith" 2005