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09
Okt
09

Posh goes High Fashion … und Ja, sie hat’s drauf!

Sie ist eine der best gekleidetsten Frauen der Welt, sie gibt im Jahr Millionen für ihren makellosen Look aus und ein Outfit würde sie nie zwei Mal tragen. Bei einer derartigen Hingabe zur Mode liegt es wohl nahe, dass auch sie sich in der Reihe von prominenten Designern berechtigt sieht. Doch ist es nun ein Trend oder eine Plage, dass mehr und mehr Stars oder solche, die es gerne wären, eigene Mode entwerfen oder es zu mindestens versuchen? Natürlich lässt der prominente Name auch in der Welt der Mode fast automatisch die Kasse klingen, doch ein solcher Erfolg ist oftmals eher von kurzer Dauer. So designte „Sex and the City“ – Ikone Sarah Jessica Parker 2004 für GAP auf Grabbeltisch-Niveau,  Topmodel Kate Moss löste 2007 auf der Londoner Oxford Street tagelanges Warten für überteuerte Kleider in minderwertiger Qualität aus, Madonnas durchaus gelungene H&M-Kollektion wurde 2005 größtenteils zum Ladenhüter und die ehemalige „No Doubt“ – Sängerin Gwen Stefani gründete 2003 mit L.A.M.B. ihr eigenes Modelabel, mit dem sie 2007 über 90 Mio. Dollar verdiente. Nun folgte Victoria Beckham mit ihrer ersten Runway-Show und die Kritiker sind ihr durchaus wohlgesonnen. Doch was genau ist es, dass Posh Spice von anderen prominenten Designern unterscheidet?

Bereits seit einigen Jahren gilt Victoria Beckham als Vorreiterin neuer Trends, besonders ihre ständig wechselnden Frisuren sorgen weltweit für Aufsehen. Doch als Modedesignerin war die heute 35-jährige bisher kaum beachtenswert. Ihre Jeanslinie VB Rocks für Rock & Republic waren 2004, trotz der 300 Dollar pro Hose, ein kommerzieller Erfolg, doch revolutionär oder innovativ konnte man ihre Kreationen nicht nennen. Letztendlich bestand die Kollektion aus gewöhnlichen Jeans mit einem überdimensionalen Logo auf dem Po. Anders jedoch ihre High Fashion-Designs, die im vergangenen Jahr auch von vielen Prominenten, wie Heidi Klum oder Elle Macpherson, getragen wurden. Der Verkauf der Kleider, die zwischen 1 500 und 3 000 Euro kosten, stieg mehr und mehr an. Victoria Beckham verfolgt mit ihrer Kollektion eine klare Linie:  schlichte und deutliche Schnitte, figurbetont (besonders in der Taille) und vor allem klassisch elegant. Mrs. Beckham scheint für schlichte und klassische Eleganz zu appellieren, während andere Designer, wie Oscar de la Renta oder Zac Posen, mehr und mehr pompöse und aufwändig drapierte Kleider designen und dabei auch mehr und mehr an innovativen und revolutionären Ideen zu verlieren scheinen. Victoria hingegen zeigt ihre eigene Vision von Eleganz. Sie zeigt sehr deutlich, dass Eleganz und Sexappeal nicht zwangläufig mit nackter Haut und wenig Stoff einher gehen müssen – sie hat aus modischen Fehlgriffen der Vergangenheit offenbar gelernt. Denn eben hier liegen die Stärken ihrer Kollektion. Victoria Beckham verzichtet darauf ihre Designs zu überladen. Sie setzt gezielt Details ohne es dabei zu übertreiben. Die Höhepunkte der Kollektion sind zweifellos die Abendkleider, die fast alle durch lange Ärmel und geschickte Details, wie Schulterpolster, Taillengürtel oder aufwändigen Paillettenbesatz auffallen. In puncto Farben beschränkt sich die ehemalige Sängerin glücklicherweise auf eine geringe Auswahl. Der Großteil der Kollektion ist klassisch schwarz. Einige Entgleisungen hin zu rot oder lila sind zwar eher misslungen, aber dennoch bedingt vorzeigbar.

Alles in allem ergeben Victoria Beckhams Designs eine wunderbar klassische und erfreulich schlichte Kollektion, die Eleganz und insbesondere Sexappeal auf eine positiv altmodische Art zeigt. Der Simple Chic wird hier in Verbindung mit aufwändigen und ausgefallenen Schnitten auf eine sehr gelungene Weise umgesetzt. Natürlich sind Vergleiche zu Jil Sander, Chanel, Karl Lagerfeld und insbesondere zu Roland Mouret nicht von der Hand zu weisen, doch mit ihrer eigenen Vision von Eleganz grenzt sich Posh durchaus ab. Eben hier liegt ihr Erfolg gegenüber anderen prominenten Designern. Sie hält sich fern von Modeerscheinungen und entwirft Kleider, die in einem halben Jahr nicht völlig überholt sein werden. Sie verbindet aktuelle Trends mit Bewährtem, übertreibt es aber glücklicherweise nicht. Es bleibt abzuwarten, ob Victorias Erfolg bei der Fashion Week in New York und London ein Glückstreffer oder der Startschuss für eine große Karriere als Designerin war. Zu Gönnen wäre es ihr …

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06
Okt
09

Fashion-Idol: Tilda Swinton

Sie spielte 2000 neben Leonardo DiCaprio die Hauptrolle in „The Beach“ , neben Tom Cruise und Cameron Diaz 2001 eine Nebenrolle in „Vanilla Sky“ , entjungferte 2008 Brad Pitt in „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ , stahl 2004 Keanu Reeves in „Constantine“ als androgyner Erzengel Gabriel die Show, die weiße Hexe Jadis in „Die Chroniken von Narnia“ machte  sie 2006 weltbekannt und die Rolle einer skrupellosen Anwältin neben George Clooney in „Michael Clayton“ brachte ihr 2008 einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Doch trotz dieser großen Namen, die man mit Tilda Swinton in einem Atemzug in Verbindung bringen kann, ist sie alles andere als der klassische Hollywood-Star:  von großen Blockbustern hält sie sich fern, ihre Rollen wählt sie mit Bedacht und nach künstlerischem Wert. Auch auf dem roten Teppich zeigt sich schnell, dass sie sicher nicht der klassische weibliche Hollywood-Star ist. Sie löst kein Blitzlichtgewitter aus, sondern präsentiert sich auf mit ihrem sehr außergewöhnlichen Stil auf ihre eigene Weise.

Im Jahr 2005 beschwerte sich die englische Designerin Vivienne Westwood in einem Interview mit dem deutschen Magazin Cicero darüber, dass Mode heute nichts mehr mit der Persönlichkeit zutun habe, es sich heute vielmehr um eine Uniformierung durch die Massenproduktion handle. Der Blick auf die roten Teppiche dieser Welt scheint dies sofort zu bestätigen:  Letztendlich sehen wir doch bei jeder Veranstaltung größtenteils die gleichen Kleider in einer begrenzten Zahl an Variationen, wenn auch von verschiedensten Designern. Nur wenige Stars wagen den Blick über den Tellerrand und trauen sich wirklich in ausgefallenen und mehr oder weniger einzigartigen Kleidern auf den roten Teppich. Der Grund dafür ist einfach, wie einleuchtend:  die Presse und das Image. Es wäre nicht das erste Mal, dass die gefürchtete Blackwell-Liste oder diverse „Worst Dressed Women„-Listen ein Image oder gar ganze Karrieren zerstören. Haute Couture-Kleider sind häufig eher Kunst als tragbare Kleider und gefallen längst nicht jedermann. Sie sind extrem aufwändig verarbeitet und wirken gerne überladen. Die Gefahr dabei auch unvorteilhafte oder gar hässliche Kleider auszuwählen, ist sicher größer, als bei Kleidern, die wir schon unzählige Male gesehen haben. Doch eben an dieser gewöhnlichen und uninspirierten Mode orientiert sich Tilda Swinton nicht. Sie wählt ihre Kleider, ebenso wie ihre Rollen, scheinbar nach dem künstlerischen Wert. Sie wählt aus den Haute Couture-Kollektionen der wohl teuersten und angesehensten Designer, wie Yves Saint Laurent, Christian Dior oder Lanvin, aus. Auf Veranstaltungen erscheint sie in der Regel ungeschminkt; ihre Frisur ist seit Jahren die Gleiche und variiert hin und wieder während Dreharbeiten.

Doch auch bei Tilda Swinton liegen Top und Flop nahe beieinander. So glänzte sie auf der diesjährigen Oscar-Verleihung in einer beige-schwarzen, langen und raffiniert drapierten Robe von Lanvin, wohingegen sie im vergangenen Jahr in einem schwarzen Albtraum aus Samt (ebenfalls von Lanvin) erschien. Bei der Verleihung der BAFTA-Awards 2008 in London trug sie gelb-goldenes, mit Federn besetztes Kleid von Dior, das sicher auch längst nicht jedem gefiel, wohingegen sie bei der diesjährigen Berlinale in einem hautfarbenen, sehr leichten Kleid von Thakoon wieder höchst positiv auffiel. Doch unabhängig davon, was Modekritiker oder ein Jedermann von ihrem Stil halten mögen, eine Uniformierung oder gar ein in Masse produziertes Kleid kann man ihr nicht vorwerfen. Stellt man zehn Schauspielerinnen in eine Reihe, fällt sie als höchst individuell auf. Ihre Kleider stellen sie als Künstlerin dar, die nicht aufgrund ihres Sex-Appeals oder der in Hollwood üblichen Size Zero beurteilt wird. Bei ihr stehen außergewöhnliche und extravagante Roben im Vordergrund, die sie authentisch zeigen und in keiner Weise verkleidet darstellen. Natürlich auch trägt sie keine Einzelstücke. So war ihr wunderschön schlichtes Oscar-Kleid von 2009 schon Anfang des Jahres beim Luxus-Onlineversand www.net-a-porter.com für Jedermann für ca. 9 000 Euro zu erstehen, ebenso trugen auch andere Stars, wie Beyoncé Knowles, die im Sommer sehr angesagten Cage Sandals von Yves Saint Laurent. Doch trotz allem ist – oder vielmehr sollte – die 49-jährige Britin ein Vorreiter in Sachen Haute Couture und klassischer Eleganz . Sie ist in ihrem ganzen Auftreten einzigartig und würde in einem typischen, figurbetonten oder schulterfreien Kleid vermutlich nicht aussehen, wie sie selbst. Ihre Rollen sind es, also sollten auch ihre Kleider höchst ungewöhnlich sein.

22
Sep
09

Ladies in Red on the Red Carpet – and the Emmy goes to …

Ausnahmezustand in Hollywood am Sonntagabend. Der Grund? Emmy-Verleihung 2009! Was für’s Kino die Oscars im März sind, sind für’s Fernsehen die Emmys im September. Doch ähnlich wie bei den Oscars rückt die eigentliche Verleihung der begehrten Trophäen immer etwas in Hintergrund, auch wenn die Produzenten jedes Jahr auf’s Neue versuchen eine aufwendige und unterhaltsame Show auf die Beine zu stellen. Begonnen hat die Show in diesem Jahr mit einer etwas eintönigen, aber durchaus sympathischen Revue-Nummer von „How I Met Your Mother„-Darsteller Neil Partick Harris, der Vorjahres-Moderatorin Heidi Klum ablöste und durch den Abend führte. Doch auch am Montag Morgen war die Show vergessen, die Sieger des Abends werden wie gewohnt am Rande erwähnt. Der Blick geht nun auf den Roten Teppich. Wer trug das schönste Kleid? Wer griff mächtig daneben? Diese Frage dominiert am Morgen danach. Auf den ersten Blick gibt es einen Sieger:  Rot! Schauspielerinnen, wie „Heroes„-Star Hayden Panettiere, „Gossip Girl“ Blake Lively und die ehemalige „Will and Grace„-Hauptdarstellerin Debra Messing gehörten zu den bestangezogenen Damen des Abend und alle drei entschieden sich für lange rote Roben, taten dies jedoch in sehr unterschiedlicher Weise. Blake Lively zeigte in ihrer langen, roten, teilweise mit Pailetten besetzten Versace-Robe viel Dekolleté und ebenso viel Bein. Durch den Verzicht auf auffälligen Schmuck und einen streng geflochtenen Zopf bewies das 22-jährige It-Girl wahrlich Geschmack, ohne dabei ihre jugendliche Frische zu verlieren oder gar streng zu wirken. Ganz anders Hayden Panettiere, die in ihrem recht aufwändig geschnittenen Seidenkleid von J. Mendel recht streng und wesentlich älter wirkte, als sie eigentlich ist. Dennoch steht ihr rot einfach hervorragend und die weiche Seide schmeichelt ihrer etwas rundlichen Figur. Doch die Siegerin ist hier eindeutig Debra Messing. Die als Grace Adler bekannt gewordene New Yorkerin glänzte in einer asymmetrischen, sehr figurbetonten Robe von Michael Kors, die sehr dezent mit Swarovski Kristallen besetzt war. Ihre roten Haare wurden dezent zum Pferdeschwanz zusammengebunden, was die zarten Diamant-Ohrringe betone. Mit 41 Jahren wirkt die Schauspielerin sehr elegant, frisch und keineswegs streng. Etwas, dass sie der 20-jährigen Miss Panettiere voraus hatte.

Blake Lively in einem tiefausgeschnittenen Kleid von Versace

Blake Lively

Hayden Panettiere

Hayden Panettiere

Debra Messing

Debra Messing

Einen weiteren Trend auf dem Red Carpet schien Debra Messing ebenso zu ahnen:  funkelnde Kleider. Während ihr Kleid sehr dezent mit Kristallen besetzt war, gingen „Grey’s Anatomy„-Star Sandra Oh, die „Pushing Daisies„-Nebendarstellerin und spätere Emmy-Gewinnerin Kristin Chenowerth, sowie „Mad Men„-Schönheit January Jones einen Schritt weiter. Doch auch hier gab es deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zum Großteil der Damen entschied sich die äußerst kleine Kristin Chenowerth für ein kurzes, leicht transparentes Cocktailkleid, dem auffälliger Edelstein-Besatz den nötigen Glamour verlieh. Die Kombination des kurzen Zuhair Murad-Kleides mit hohen Sandaletten verlängerten das Bein optisch. Dieses Outfit ist sicher nicht der große Sieger, jedoch ein typgerecheter und sehr edler Look. Den Trend der funkelnden Kleider setzte die TV-Ärztin Sandra Oh auf eine für den Abend einzigartige Weise um: sie trug gold. Das schlicht geschnittene Kleid von Marchesa wirkte an der zierlichen Schauspielerin toll. Es unterstrich ihre zurückhaltende Erscheinung, gab ihr aber auch die nötige Eleganz. Nachdem die als Dr. Christina Yang ebenfalls Emmynominierte bereits auf der gefürchteten Blackwell-Liste auftauchte, ist dieser Modeerfolg doch sehr erfreulich – auch ich bei den pinkfarbenen Schuhen lieber wegsehe. Die Gewinnerin dieser Kategorie ist allerdings mit großem Abstand January Jones. Die recht unbekannte Darstellerin aus der Drama-Serie „Mad Men“ trug eine schlichte und wunderschöne Robe von Atelier Versace. Das Besondere hierbei ist das mit Diamanten besetzte und aufwändig geschnittene Bustier, das die sehr zierliche Taille der Schauspielerin betont. Mit ihren blonden Haaren und kaum gebräunten Haut ist sie einer der großen Sieger auf dem roten Teppich.

Kristin Chenowerth

Kristin Chenowerth

Sandra Oh

Sandra Oh

January Jones

January Jones

Doch wie bei jeder Preisverleihung gibt es natürlich auch einige absonderliche, unpassende oder gar hässliche Outfits. Die Liste ist auch bei den Emmys 2009 zu lang, um sie vollständig aufzuführen. Fairer Weise sollte man natürlich auch erwähnen, dass es auch noch einige hübsche und wunderbare Outfits gab und nicht nur die sechs aufgeführten. Hier könnte man z. B. die „Lipstick Jungle„-Darstellerin Lindsay Price oder Emmy-Gewinnerin Tony Collette nennen – beide entschieden sich für lila.

Dennoch ein Blick auf die größten Flops des Abends. Zunächst wäre da eine weitere Darstellerin der Teen-Soap „Gossip Girl„, die im wohl unvorteilhaftesten Kleid des Abends auf dem roten Teppich erschien. Die Rede ist von Leighton Meester, die sich in einem langen, weißen, doch recht ungewöhnlich geschnittenen Kleid von Bottega Venetta zu schmücken versuchte. Mal abgesehen davon, dass das Kleid die zierliche Schauspielerin äußerst unvorteilhaft zeigt, bleibt die Frage offen, welcher Stylist der sehr blassen Schauspielerin – Schneewittchen lässt grüßen – zu weiß geraten hatte. Betrachtet man Bilder der Serien-Zicke, die im Sonnenlicht des Tages entstanden, sucht man ihr Gesicht vergeblich. Sie geht in dem zu großen und zu hellen Kleid schlichtweg verloren. Da hilft auch noch so viel Lippenstift absolut nichts. Ein eher unpassendes Kleid trug die ebenfalls nominierte „Weeds„-Darstellerin Mary-Louise Parker. Das lilafarbene, raffinierte Minikleid von Zac Posen steht der Schauspielerin sehr gut – keine Frage. Doch für eine glamouröse Abendveranstaltung ist es einfach zu kurz und unpassend. Doch kommen wir nun zum wohl unästhetischsten Outfit des Abends. Dieses trug das hochschwangere Model Heidi Klum, die für ihre US-Show „Project Runway“ ebenfalls nominiert war. Mit einem schulterfreien, hautengen Kleid von Marchesa trug sie zweifellos eines der schönsten Kleider des Abends. Die mit Pailletten und Kristallsteinen besetzte, lange Robe wäre vor einigen Monaten an ihr sicher ein Hit gewesen, doch die im neunten Monat schwangere Klum sah gestern darin aus, wie ein Wal. So spotteten bereits am Montag Morgen Blogger auf zahlreichen Internetseiten. Ganz unrecht haben diese damit leider nicht, denn sie sieht in diesem Kleid einfach unvorteilhaft und wahrlich unästhetisch aus. Überraschend ist, dass das 36-jährige ehemalige Model bei ihrer vierten Schwangerschaft bei der Umstandsmode dermaßen daneben greift.

Leighton Meester

Leighton Meester

Mary-Louise Parker

Mary-Louise Parker

Heidi Klum

Heidi Klum

Achja: Aus Höflichkeit und Respekt vor den wahren Siegern des Abends (also diejenigien, die wirklich mit einer Trophäe nach Hause gingen) noch die Frage:  Hat euch nun wirklich interessiert, dass „30 Rock“ und „Mad Men“ die großen Sieger des Abend waren?

… also ich frage mich da ja eher, was sich Glenn Close dabei gedacht hat, mit einer Sonnenbrille auf den roten Teppich zu kommen, weshalb Sally Field nicht beim Friseur war und und und …

17
Sep
09

Der neue Dandy: Ausgefallener, Exklusiver und Bunter

Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden.  (Thomas Carlyle, britscher Schriftsteller 1795-1881)

Der Herr von Welt und Mode hatte in es in den letzten Jahren mit vielen, sich aber recht ähnlichen Trends zu tun. Ob der Grunch-, Rocker- oder Used-Look, letztendlich waren es doch immer enge Jeans, T-Shirt und Chucks, all dies in farblichen Variationen. Doch während Ralph Lauren, Burberry oder COS bei Herren mit klassischen Schnitten, auffallenden Mustern oder extravaganten Schnitten schon einige Jahren einen Trendwechsel zu fordern scheinen, kam der Trend bei Massenherstellern, wie H&M oder Zara bisher nicht an. Doch das ändert sich in diesem Herbst …

Die Herrenmode wird spürbar eleganter:  Stoffhosen anstelle von Jeans, Strickwaren anstelle von simpler Baumwolle, Boots oder Loafers in Leder oder Lack anstelle von Stoffturnschuhen, Muster anstelle von trostloser Leere. Dieser doch eher klassische oder sagen wir es doch einfach spießige Trend kommt nicht etwa, wie mancher vielleicht glauben mag aus Großbritannien, sondern in der Tat aus den USA. Wodurch inspiriert oder vielmehr popularisiert? Natürlich, durch einen Teenieschwarm! Seit 2007 flimmert Ed Westwick alias Chuck Bass in Gossip Girl wöchentlich in den Fernsehern und sein elitäres Auftreten mit Fliege, Einstecktuch, Seidenschal, ausgefallenen Jackets und auch gerne mal mit Mut zur Farbe – erst neulich sah ich seinen leuchtend orangen Trenchcoat – machten ihn zum angesagten It-Boy und männlichen Stilikone. Ein durchaus ein seltener Titel für einen männlichen Schauspieler. Obwohl die Serie im deutschen Fernsehen floppte, erreicht der Dandy nun auch Deutschland.

H&M scheint mehr und mehr wert auf seine H&M Man-Reihe zu legen und differenziert sie deutlich zum jugendlich bunten Divided und gewöhnlich, lässigen LOGG. Anzüge, Jackets und Stoffhosen scheinen vom Gastspiel vor einigen Jahren zum Hauptbestandteil der Kollektion geworden zu sein. Auch Strickjacken nehmen in der aktuellen Herbst-Winter-Kollektion einen Großteil ein. Ausgefallene Stoffhosen im Jeansschnitt sind in vielen aussergewöhnlichen Farben erhältlich. Scheinbar nebenher sorgt H&M mit verstärktem Einsatz von Rostrot noch für einen farblichen Herbsttrend. Doch neben H&M folgt auch Zara dem New-Dandy-Trend. Ledertaschen und extravagante Boots runden den Look hier ab. Hier eher tragisch dabei ist die oftmals mindere Qualität der Lederimitate – besonders bei den Taschen. Auch Designerlabels, wie Dolce&Gabbana oder Gucci scheinen großen Gefallen am New Dandy zu finden. Sie setzen aber auf eigene Trends, von denen H&M oder Zara nicht einmal zu träumen scheinen. Gucci scheint das Jacket völlig neu zu erfinden und kreiert vom Sportjacket in Baumwolle über Samtjacken bis hin zum glänzenden Jacket im Rubikmuster, einreihig oder zweireihig, mit hohem oder tiefem Revers … die Möglichkeiten scheinen schier endlos. Farbliche Akzente setzen hier Hemden und/oder Krawatten. Ob Rubinrot, Magenta, „Tide“ (Gucci’s patentierte Farbe – ein sehr dunkles Blau) oder knalliges Rot; an Tristesse haben die Designer des italienischen Modehauses scheinbar kein Interesse. Doch eben genau dieser Mut zur Farbe revolutioniert den klassischen Dandy. Historisch kleidete sich der britische Dandy im 18. und 19. Jahrhundert eher zurückhaltend, verzichtete auf auffälligen Schmuck oder ebenso auffällige Farben. Der Kern der Mode lag jedoch ebenso in seiner Eleganz, was den klassischen Dandy vom New Dandy kaum zu unterscheiden vermag. Freuen wir uns lieber auf den eleganten Herren, ob mit oder ohne Farbe.

12
Sep
09

Herbsttrend: Simple Chic vs. Glamrock-Chic – Gibt’s einen Gewinner?

Nachdem der Sommer nun sein Ende gefunden hat und die Herbstmode in den Geschäften nun auch tatsächlich einen Sinn ergibt, stellt sich erstmals die Frage, was die Herbsttrends 2009 sind. In diesem Jahr lassen sich zwei recht unterschiedliche Trends erkennen:   zum einen den eher schlichten und eleganten Look, der sich durch teilweise asymetrische und aufwendige Schnitte kennzeichnet und zum anderen den sehr auffälligen Look, der mit glänzenden Stoffen, Leder oder Paillietten nicht geizt. Wer gewinnt?

Seit 2007 feiert nun die H&M-Tocher COS (Collection of Style) schon seinen Siegeszug in der Modebranche. In acht deuschen Shops steigt der Umsatz mehr und mehr, die Kollektionen sind ein Renner . Im Gegensatz zu anderen großen Ketten verfolgt COS aber auch einen klaren Stil:  schlichte und meist dezente Farben, hauptsächlich verschiedene Grautöne, klare und ausgefallene Schnitte und vor allem gute Qualität zu annehmbaren Preisen. Die Kollektionen sind sicher keine Innovationen der Modebranche, lassen eine deutliche Ähnlichkeit mit Jil Sander erkennen und sind ebenso deutlich inspiriert von großen Designern, wie Karl Lagerfeld oder Calvin Klein. Dennoch ist sie nicht frei von Kreativität. Denn letztendlich ist es COS zu verdanken, dass Schlichtheit und Eleganz in diesem Herbst eine große Rolle spielen werden. Doch was genau zeichnet diesen Simple Chic aus? Ein wichtiges Schlüsselwort ist Asymetrie, denn ausgefallene Schnitte stehen hier im Vordergrund. Die Farben sind daher eher zurückhaltend. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. So hat Jil Sander jüngst ein äußerst extravagantes Kleid in leuchtendem orange vorgestellt. Ebenfalls sehr groß im (Wieder-)kommen sind Schulterpolster. Blazer, Blusen und T-Shirts setzen wieder auch breite Schultern, doch im Gegensatz zu den Schulterpolstern der 80er soll die Taille dadurch schmaler und zierlicher wirken.

Der Glamrock-Chic wird in diesem Herbst besonders von Gucci forciert. Dennoch ist er bei der Massenmode längst angekommen. Zara und Mango setzen vermehrt Paillietten ein, H&M und American Apparel setzen auf Lackleder bzw. entsprechende Imitate, der Overknee-Stiefel ist nach einem kurzen Intermezzo vor einigen Jahren zurück und auch der abnehmende Plateau-Trend erfindet sich neu. Doch die Umsetzung dieses Trends ist noch sehr unschiedlichlich. Während man bei Gucci verstärkt auf Hosenanzüge, variiert vom eleganten Blazer bis hin zur sexy Bikerjacke kombiniert mit engen Lederhosen, setzt, überwiegen bei erschwinglicheren Labels, wie z. B. Mango, hauptsächlich lange Oberteile, gerne im Stil von Tanktops, kombiniert mit Leggings oder engens Hosen im Schnitt von Röhrenjeans. Hier variiert in erster Linie das Material:  Lack, Leder, gerne auch Kroko-Leder oder Lurex sind da besonders vertreten. Farben spielen aber eine ebenso große Rolle:  H&M setzt auf schwarz, Zara auf silber und Gucci findet großen Gefallen an blau. Die Schnitte sind sehr figurbetont. Doch während mit weiteren Oberteilen und Jacken die ein oder andere Problemzone kaschiert werden kann, zeigen die engen Hosen und Leggings an Bein und Po jede Problemzone gnadenlos. Darum ist Vorsicht geboten!

Verschiedener und gegensätzlicher könnten die Trends des diesjährigen Herbstes gar nicht sein und die Frage nach dem Besserem stellt sich schnell, ist jedoch alles andere als leicht zu beantworten. Während der Glamrock-Chic für den Alltag oder den Gang ins Büro eher bedingt einsetzbar ist, führt der Simple Chic gerade im Bereich der Abendmode dazu, schnell overdressed oder auch langweilig zu wirken. Paillieten am Tag wirken ebenso wie drappierte Wollkleider im hippen Szeneclub eher deplaziert. Eben genau diese strengen Eigenschaften machen diese Look schwer kombinierbar:  Wer im Büro durch einen schlichten, angemessenen Dress überzeuge möchte, ist bei Paillietten und Leder falsch; wer beim Clubbing durch sexy Glamour-Outfits von sich Reden machen möchte, ist bei schlichten Farben und häufig hochgeschlossenen Oberteilen alles andere als richtig.  Dennoch sind Möglichkeiten der Kombination bedingt gegeben:  der schlichte, schwarze Blazer mit Schulterpolster wirkt mit einer hautengen Lack- oder Lurexleggins sehr graziös, ebenso wie das paillietenbesetzte Top mit der schlichten Wollhose. Doch Vorsicht ist hier geboten! Die Looks sind in der Regel sehr figutbetont und sicher nicht für jedermann geeignet …

Ob nun Simple-Chic oder Glamrock-Chic? Einen klaren Gewinner gibt es generell nicht, doch an manch breiter Hüfte hoffe ich keine enge Lederleggings oder an manch dickem Bauch keinen taillierten Blazer mit Schulterpolstern, der die Taille ja besonders betont, zu sehen. Zwei tolle Looks läuten nun wohl langsam den Herbst ein, dennoch rate ich bei diesen doch eher schwierigen Looks dringend zu einer guten Selbsteinschätzung oder einer ehrlichen Shoppingbegleitung.

26
Aug
09

Fashion-Idol: Sex and the City

Im Jahr 1998 startete auf dem amerikanischen Pay-TV-Sender HBO die damals noch recht unbedeutende Serie „Sex and the City„, die das Leben von vier Single-Frauen jenseits der 30 in New York erzählt. Die Protagonistinnen Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Samatha Jones (Kim Catrall), Charlotte York (Kristin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) wurden aber schnell zu Charakter- und Kultfiguren. Im Laufe der Zeit erlangte die Serie nicht nur Kultstatus wegen der lockeren und frischen Art der Erzählung oder dem sehr freizügigen Umgang mit dem Thema Sex, sondern auch wegen seiner extravaganten und aussergewöhnlichen Mode, für die sich die New Yorker Kostumbildnerin und Modedesignerin Patricia Field verantwortlich zeigte. Während die Serie die Beziehungen der Hauptfiguren, sowie deren Leben als unabhängige und emanzipierte Frauen im Manhattan des 21. Jahrhunderts sehr fein und klar darstellt, wird in puncto Gaderobe ein ebenso klares Credo verfolgt. Patrica Field kleidet die Darstellerinnen nicht nach aktuellen Trends oder stattet sie mit Must-Haves der Saison aus, sondern erzählt mit der Kleidung der Damen eine eigene Geschichte und macht die Kleidung der Frauen zumTeil ihrer Persönlichkeit. Bereits in der ersten Folge von 1998 erklärte die serientypische Off-Stimme von Carrie, dass es ein Zeichen von Unabhängkeit der New Yorker Singlefrau ist, wenn sie ohne mit der Wimper zu zucken 400 Dollar für ein Paar Sandalen ausgäbe. Auch im folgenden zeigt sich, dass die unabhängige Frau ihr eigenes Geld für kostspielige Designerroben verdient. Doch es dreht sich nicht ausschließlich darum teure Designerlabels am Leib zu tragen, denn Patricia Field schafft einen bis dato einzigartigen Mix aus Sachen aus dem Billigladen, alten Klassikern und Stücken direkt vom Laufsteg. Sie erschafft damit aussergewöhnliche und individuelle Looks.

Patricia Field gilt als eine Fashion-Ikone in New York und legt keinen Wert darauf, sich von Designern leiten zu lassen. Neben „Sex and the City“ war sie 2007 auch für die Kostüme des Kinofilms „Der Teufel trägt Prada“ verantwortlich. Dafür wurde sie prompt für den Oscar nominiert. Für sie trifft das Auge die Wahl und sie setzt auf Natürlichkeit. Ihr Rezept klingt einfach:  Sie nimmt hochwertige Kleider und kombiniert sie mit Dingen für wenige Dollar, um das Ganze aufzulockern. Dabei nutzt sie sowohl Aspekte der Haute Couture und High Fashion, sowie der Massenmode, setzt aber auch auf Spontanität, um die Natürlichkeit zu erhalten und keine Verkleidung zu schaffen. Dennoch spielten hinter den Kulissen der Serie und später auch der Kinoadaption große Designernamen eine entscheidende Rolle: Christian Louboutin entwarf 2001 eigens für Sarah Jessica Parkers Fuss einen aussergewöhnlichen rosa Schuh mit der typischen roten Sohle, Oscar de la Renta gab 2003 ein Kleid aus seiner Kollektion bereits vor der Präsentation für die Produktion der Serie frei, Vivienne Westwood verbot 2008 den Verkauf eines Brautkleides, das Carrie später im Film tragen sollte und der wohl größte Name in Bezug auf die Mode in „Sex and the City“, Manolo Blahnik, entwarf speziell für den Kinofilm Carries blauen Brautschuh, der beim New Yorker Nobelkaufhaus Bergdorf Goodman anschließend zu einem Verkaufsschlager wurde. Die Desginer Dolce&Gabbana hatten 2001 sogar einen Gastauftritt in der Serie.

Die Looks, die wir später auf dem Bildschirm sehen, charakterisiert jede der vier Damen auf ihre eigene Art und Weise, macht in den sechs Staffeln der Serie und dem Kinofilm aber auch eine sichtbare Entwicklung durch. Patricia Field sieht in Carrie Bradshaw das typische New Yorker Mädchen, das im Laufe der Jahre erwachsener und selbstsicherer wird. Das spiegelt sich in ihrer Mode deutlich wieder:  von der eher schlichten Carrie im Pelzmantel über die jugendliche, verspielte Carrie mit vielen Blumen als Accessoire bis hin zur selbstsicheren, attraktiven Frau in Designerroben und einem atemberaubenden Hochzeitskleid (von Vivienne Westwood). Charakteristisch für sie ist eine besondere Vorliebe für Schuhe, vor allem von Manolo Blahnik. Samantha Jones kleidet Field sehr selbstbewusst, teilweise aber auch provokativ. Sie trägt sehr figurbetonte Stücke, die häufig ihre Brüste zeigen, kleidet sich meist in leuchtenden Farben, schwört aber gleichzeitig auch auf große Designernamen, wie Chanel, Hermès und Fendi. Diese zeigt Samantha als Statussymbol ganz offen. Im Gegensatz dazu ist Charlotte York eher schlicht und mondän. Wobei auch sie ihre Vorzüge zu präsentieren weiß. Patricia Field orieniterte sich stark an der Eleganz von Jackie O, da Kristin Davis‘ Ausstrahlung und ihr sehr offenes Lächeln sie sehr an die ehemalige First Lady erinnerten, wie sie in einem Interview angab. Die wohl vielseitigste Gaderobe hat Miranda Hobbes. Auf der einen Seite steht die strenge Anwältin, die schlichte Kostüme trägt und Accessoires meidet; auf der anderen Seite steht die elegante, schicke Lady, die ihren Freundinnen zu zeigen versucht, dass sie keine langweilige Anwältin ist und sich mit schicken Kleidern anpasst. Erst im Kinofilm von 2008 hat sie ihren eigenen Stil entwickelt, der die Anwältin und elegante Frau vereinen, aber auch mit Accessoires nicht geizt.

Die Frage, weshalb neben dem offenen Umgang mit Sex und den Beziehungsproblemen der Protagonistinnen gerade die Mode in den Vordergrund rückt, ist definitiv berechtigt. Es ist sicher nicht realistisch, dass vier alleinstehende Frauen mit Eigentumswohnungen in New York sich eine derartige Masse an Designerkleidung leisten können, dennoch schafft es Patricia Field es aussehen zu lassen, als sei der Look der Ladys vollkommen natürlich und alltäglich. In Alltagsszenen gibt es kein künstliches, übertriebenes Make-Up oder aufwändige Frisuren. Es steht ausschließlich das Outfit im Mittelpunkt. Besonders die Unterschiede der Hauptcharaktere führt zu einem hohen Grad an Identifikation durch den Zuschauer. Da die Kleidung in TV-Serien selten eine derart große Rolle spielt und gleichzeitig perfekt an den Charakter und die Entwicklung des Charakters angepasst ist, ist der hohe Stellenwert der Kostüme völlig gerechtfertigt. Patricia Field hat in den zehn Jahren zwischen Folge 1 und dem Kinofilm einzigartige und trendssetzende Looks geschaffen, die ein großes Vorbild für viele Stilikonen sind und ebenso großen Einfluss auf die Mode der vergangenen Jahre hatten. Sie hält sich nicht an konventionelle Regeln der Mode und kennt kein Halt Designerstücke umzunähen. Wohl diese Einstellung schuf einen einzigartigen und neuen Look, der die Mode veränderte.

Sie hatte großen Einfluss auf die Mode im Allgemeinen. Frauen wollten diese hohen Absätze und leuchtenden Farben tragen. (Benjamin Evident, Style Consultant of Manolo Blahnik)

Sex and the City war fast ein Lehrfilm darüber, wie man sich kleidet. Plötzlich traute man sich all diese Muster und Farben zu kombinieren (Tamara Mellon, Gründerin von Jimmy Choo)

25
Aug
09

Retten Filmlegenden ein französisches Nobellabel?

Seit über einem halben Jahr redet alle Welt über die Wirtschaftskrise und über 2009 als Rezessions- und Inflationsjahr. Banken und Autokonzerne kämpfen gegen die Pleite, der Staat greift mit umfangreichen Rettungsplänen und Konjunkturpaketen ein. Was Nachrichten und Zeitungen jedoch verschweigen bzw. sehr vernachlässigen ist die Tatsache, dass die Wirtschaftskrise weit mehr Branchen als die Immobilien- oder Kraftfahrzeugbranche betrifft. Denn auch viele Modehäuser vermelden dramatische Umsatzeinbußen, wie Burberry oder Gucci, teilweise sogar die eigene Insolvenz, wie das Münchener Unternehmen Escada. Der aktuelle stern (Ausgabe 35/09) jedoch berichtet von einem positiven Beispiel, wie vor allen Ding das französische Nobelhaus Hermès diesem eher unpopulären Trend entgegen steuert. Doch woran liegt es, dass gerade das schlichte Hermès gestärkt aus der Krise hervorgeht? Die Antwort findet sich bereits in der Frage selbst. Während Gucci eher moderne und aktuell trendige Luxusmode produziert, die in einem Jahr wieder überholt ist, setzt Hermès auf das traditionelle Schlichte seiner Produkte. Während eine Gucci-Tasche durch auffällig und große Logos oder das typische Gucci-Muster als die solche zu erkennen ist, erkennt eine Hermès-Tasche bloß der Kenner. Die Handtaschen des seit sechs Generationen in Familienhänden betriebenen Unternehmens setzt seit nunmehr 80 Jahren auf die gleiche Tasche und hat sich nur anhand von Farbe und Material dem Trend angepasst.

Grace Kelly (hier mit Ehemann Fürst Rainier von Monaco) trägt Kelly-Bag am Arm

Grace Kelly (hier mit Ehemann Fürst Rainier von Monaco) mit Kelly-Bag

Erste Aufmerksamkeit erregete die sogenannte Kelly-Bag 1956. Es scheint immer noch ein Mode-Mythos, dass Fürstin Gracia Patrizia von Monaco (immernoch besser bekannt als Grace Kelly) mit der großen Tasche ihren Babybauch zu verstecken versuchte. Nie wurde sie offiziell Werbeträger für das französische Modehaus, die Tasche wurde ihr dennoch persönlich gewidmet. Noch weit bekannter und ein zurzeit noch viel größerer Trend ist die nach Jane Birkin benannte Birkin-Bag. Konkrete PR gibt es vom Modehaus selbst nicht, doch das Image der Taschen wurde schon sehr treffend formuliert:

It’s not a bag. It’s a fucking Birkin. (Sex and the City)

Immer wieder werden klassische Stücke zu Must-Haves und Kultobjekten der Mode gekürt. So hat es vor einigen Jahren der Alma-Bag von Louis Vuitton erlebt. Doch während dieser in jeder Louis Vuitton-Filiale für etwa 600 Euro für so ziemlich jedermann zu erstehen ist und unverzüglich mitgenommen werden kann, kostet eine Birkin-Bag zwischen 4 000 und 18 000 Euro. Besonders ist allerdings, dass der Kunde hier den hohen Preis nicht für eine Tasche bezahlt, sondern für die Teilnahme an einem monatelangen, wenn nicht sogar jahrelangem, Warteverfahren, bis er die Tasche sein Eigen nennen darf. Während in Zeiten der Globalisierung selbst Luxushersteller in Asien, besonders in China am Fließband produzieren, wird eine Tasche von Hermès in Handarbeit in der hauseigenen Fabrik in Frankreich hergestellt. Etwa 20 Stunden dauert die Herstellung einer einzigen Tasche. Dennoch oder vermutlich gerade deswegen sind die Taschen Kult und ein absolute Trendsetter (… auch wenn ich dieses moderne Wort hasse: Man kann es einfach nicht anders nennen). Es ist egal, ob eine der bestgekleidetsten Frauen der Welt oder It-Girls, die häufig durch eher fragwürdige modische Entscheidungen auffallen, die Birkin-Bag findet sich an den Unterarmen von Sarah Jessica Parker über Eva Longoria bis hin zu Nicky Hilton oder Lindsay Lohan (… die ich im gestern ausgestrahlen Film „Bobby“ übrigens ganz hervorragend fand). Doch natürlich sticht auch hier besonders Victoria „Posh“ Beckham heraus. Schon durch simple und oberflächliche Suche mithilfe von Google, sah ich, dass sie zahlreiche Hermès-Taschen in verschiedensten Variationen besitzen muss:  Ob rot, weiß, rosa, blau oder schwarz kann Posh zahlreiche Taschen sowohl in Kroko- oder Aligatorleder  und verschiedenen Größen vorzeigen. Während Rory Gilmore (Gilmore Girls) ihre Computerkabel darin verstauen wollte, Lily van der Woodsen (Gossip Girl) mit ihrer die noble New Yorker Madison Avenue entlang spazierte, sich Samantha Jones (Sex and the City) für ihre mit Lucy Liu anlegte oder Karen Walkers Hund (Will & Grace) darin sein Geschäft erledigte, wurde die Tasche zu einem populären Kultobjekt. Dennoch scheint sich der franzöische Luxuskonzern wohl darauf geeinigt zu haben auf aufdringliche oder provokante Werbung – womit in den letzten Jahren vor allen Ding die Italiener Dolce&Gabbana auffielen – sowie auf große Labels an den Produkten – hier sind Chanel und Gucci besonders präsent – zu verzichten. Das Geschäft scheint ja offenbar zu brummen. In konkreten Zahlen, so der stern, steigerte sich der Umsatz von Hermès um 1,8 Milliarden Euro allein im vergangenen Jahr. Also:  Dankt der fucking Birkin und nebenher den ebenso berühmten, aber meist hässlichen Tüchern für eine positive Meldung in Zeiten von Krise und täglicher Erinnerung an die jene.

Vicotria Beckham mit hellblauer Birkin

Victoria Beckham mit hellblauer Birkin

Vicotria Beckham mit rosa Birkin

Victoria Beckham mit rosa Birkin

Victoria Beckham mit brauner Birkin

Victoria Beckham mit brauner Birkin